Magic the Gathering – Arena of the Planeswalkers

Peer Sylvester,  25. Juni 2016

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Verlag: Hasbro
Autor: Craig van Ness
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 60 Minuten

Was macht Magic the Gathering aus? Ich frage hier, weil viele Leute schon bei der ersten Partie vom Magic-Brettspiel „Planeswalker“ ausriefen: „Das hat ja gar nichts mit Magic zu tun!“

Das Problem ist: Magic bedeutet wohl für die meisten Spieler „Sammelkartenspiel“ und das bedeutet „Deckbau“, das bedeutet „tappen“ und das bedeutet auch „Kartenspiel“. Was natürlich ein gewisses Problem darstellt, wenn man ein „Magic Brettspiel“ auf den Markt bringt. Was hat also das Brettspiel mit dem Kartenspiel zu tun? Das Thema!

Das ist legitim, allerdings ist das Thema ja nun nicht gerade die Stärke von Magic. Zugegeben: Ich bin niemals in der Magic-Welt wirklich eingetaucht, aber als sehr thematisch habe ich Magic nie empfunden. Der Gegner muss platt gemacht werden! Dazu rufen wir Monster und zaubern Zauber und finanzieren unser Mana durch selbstgepflanzte Wälder. Oder so. Ist ja auch egal, hier ist ja das Brettspiel gefragt und der „Arena“-Teil im Namen deutet schon darauf hin, dass wir den Gegner platt machen müssen. Entweder im Zweier oder in Teams oder Jeder gegen Jeden, doch eigentlich bevorzugt im Zweier. Auch das hat das Brettspiel mit Magic gemein (obwohl mir bewusst ist, dass andere das anders sehen). Das war’s aber prinzipiell schon. Wo Magic – das Kartenspiel mit Karten agiert, ist Magic – Das Brettspiel, ein Tabletop Light. So richtig mit Miniaturen und Landschaftseffekten und Würfeln und so.

Und an dieser Stelle ein paar historische Anmerkungen aus pädagogischen Gründen: Die Idee des „Tabletop Light“, also ein „Tabletop für die Massen“ ist nicht neu. Und meines Wissens sind alle gefloppt. Die einzige Ausnahme –Memoir 45 – ist eher ein Co-Sim, obwohl wir uns da sicherlich  im Grauzonenbereich bewegen. Doch sonst? Selbst Games Workshop ist m.W. mit dem Herr der Ringe-Miniaturenspiel gescheitert. Das Problem ist vielfältig: Ein anspruchsvolles Tabletop ist kompliziert. Ein Tabletop light darf nicht kompliziert sein. Daher ist es nicht besonders anspruchsvoll. So auch hier. Das aber bedeutet, dass die Würfel sehr stark an Einfluss gewinnen. So auch hier. Wenn aber ständig gewürfelt wird, ist das Spiel für den Regel- und Zeitaufwand zu glückslastig. So auch hier.

Ein zweites Problem: Um in den Massenmarkt einzusteigen, darf das Spiel nicht zu viel kosten. Aber ein Tabletop lebt ja gerade von der Haptik, von den Miniaturen. Die Miniaturen in diesem Spiel sind wirklich nett (wenn sie auch nicht den Level der Kollegen von FFG erreichen), aber gespart wurde bei der Landschaft. Es gibt keine. Es ist halt so ein Kolloseumsboden, wo die Kreaturen ihre Kämpfe ausfechten. Eine Arena eben. Das heißt aber wieder, dass ein wichtiger Bestandteil von Tabletops, das Terrain nämlich, fehlt (es ist in homöopathischen Dosen enthalten, aber die spielerische Auswirkung ist eben auch nicht existent – homöopathisch eben). Hier liegt sicherlich (hoffentlich) der Kern zukünftiger Erweiterungen, aber das Grundspiel will eben auch alleine gespielt werden. Man hätte das Problem mit interessanteren Szenarien umgehen können (so wie es Memoir ja z.B. macht), die nicht so viel Miniaturen benötigen. Aber dann hätte man eben den letzten spielerischen Bezugspunkt zum Original verloren und das wollte man vermutlich auch wieder nicht.

Arena of the Planeswalkers ist nicht wirklich schlecht. Es ist eine etwas glückslastige, etwas komplizierte, ganz Okaye Würfelballerei, allerdings einer der man anmerkt, dass sie gar nicht das leisten kann, was sie soll, ja was man sich von ihr erhofft. Das Problem ist auch: Wenn mir nach Tabletop ist, spiele ich Descent oder Imperial Assault, die mehr taktische Möglichkeiten bieten. Und wenn ich Magic spielen will, hilft mir das Brettspiel überhaupt nicht, denn Magic ist nun einmal kein Tabletop.

Weckt mich also, wenn Planeswalkers ordentlich ausgebaut wurde, noch einmal. Vielleicht nutzt es die taktischen Möglichkeiten, die in ihm schlummern ein bisschen besser.

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.


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