Dolores

Peer Sylvester,  25. Juni 2017

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Ihre Wertung:
Rating: 7.0/10 (1 vote cast)

Verlag: Lui-Meme/Asmodee
Autoren: Bruno Faidutti/Eric M. Lang
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 20-30 Minuten

 

Heute will ich die Frage beantwortet: „Soll man Dolores mit in den Urlaub nehmen?“

 

Und ihr fragt: „Wer ist Dolores?“

 

Und ich sage: „Dolores ist ein Kartenspiel! Es ist klein, es ist kompakt, es geht schnell und ist leicht erklärt. Es hat sogar ein Strandthema! Irgendwie…“

 

Und ihr fragt: „Wer ist Dolores?“

 

Und ich sage: „Dolores ist ein Schiff! Eigentlich müsste es im Deutschen SMS Dolores heißen (oder MS Dolores, wenn es ein Kreuzfahrtschiff wäre, was es nicht ist, da das Spiel in grauer Vorzeit spielt). Und das ist untergegangen und wir plündern es und jetzt ist das Schiff auch egal, denn jetzt geht es nur darum, die richtigen Karten zu sammeln.“

 

Und ihr so: „Das arme Schiff!“

 

Und ich so: „Habt euch nicht so! Das ist doch nur Backstory! Irgendwoher müssen all die lustigen Sachen doch herkommen, die man verteilt. 70 Waren in 7 Sorten mit Punktwerten – damit haben wir schon den Großteil des Materials benannt, denn wie gesagt: Transportabel ist das Spiel! Die Schachtel ist klein (Skull&Bones-Größe) und dennoch ist jede Menge Luft drin. Ideal zum reisen.“

 

Und ihr so: „OK, erzähl weiter…“

 

Und ich so: „Die Wertung ist interessant: Am Ende zählen nur die Sorten, von denen man am meisten und am wneigsten (aber mindestens 1) hat, wobei man mehrere mit gleicher Anzahl zusammen wertet. Merkt euch das, das wird noch wichtig! Der Zugspieler teilt immer vier Karten mit seinem linken Nachbarn – er teilt die so ein, dass jeder zwei bekommt. Und dann spielen die beiden Schere, Stein, Papier

 

Und ihr: fragt: „Bitte, was?“

 

Und ich sage: „Ja, ganz recht: Beide entscheiden sich für Frieden, Krieg oder Auswahl (was eine komische Alternative ist, wenn man genauer drüber nachdenkt) und je nachdem wer was gewählt hat, bekommt einer alles, oder beide das was sie wollen oder einer darf auswählen und der andere bekommt den Rest oder beide bekommen nix und müssen sogar etwas abgeben. Da man sich vorher abspricht, kann man das durchaus gezielt einsetzen. Da man aber lügen darf, vielleicht auch nicht. Das hängt von den Spielern ab. Eigentlich ist es auch nicht so sehr Schere-Stein-Papier als vielmehr das Gefangenen-Dilemma.“

 

Und ihr so: „Das Was?“

 

Und ich so: „Das Gefangenen-Dilemma: Entscheidet man sich für Kooperation oder Verrat? Es ist ein wichtiges Problem der Spieltheorie. Tatsächlich gab es schon eine Reihe von Spielen mit dem Problem, aber keines hat richtig überzeugt. Dass Dolores funktioniert, wo die anderen scheitern, nämlich aus dem Problem ein Spiel zu machen, liegt an zwei Dingen: Zum einen durch das Anbieten einer Alternative zwischen Krieg und Frieden (was die Entscheidungsmöglichkeiten erhöht) und zum anderen an der Wertung. Manchmal will man gar nichts bekommen, manchmal will man dem anderen alles schenken, weil das dem die Wertung kaputt macht. Manchmal will man sogar was abgeben müssen. Das erhöht den Spielraum enorm. Und damit auch den Verhandlungs- und Ausblufffaktor. Im Kern ist Dolores ein Bluffspiel. Ein Mitspieler meinte „Sowas habe ich noch nie gespielt“ und ein größeres Lob kann man einem neuen, kleinen Spiel gar nicht machen!“

 

Und ihr fragt: „Also ein tolles Reisespiel?“

 

Und ich antworte: „Ähm… Vielleicht. Kommt drauf an, mit wem ihr verreist. Und damit meine ich nicht die potentielle Streitgefahr, die von einem gemeinen Spiel wie Dolores ausgeht. Nein, Dolores braucht schon einmal mindestens drei Spieler, zu zweit sind die Auslagen zu mittelbar – es sind immer dieselben, was ich bekomme, bekommst du nicht und umgekehrt. Hier ermüden die Bluffduelle schnell. Nein, der Reiz entfaltet sich erst wenn man zwei verschiedene Nachbarn hat, die unterschiedliches wollen. Und wer verreist schon zu dritt? Außerdem ist das Spiel kein Kinderspiel, obwohl der Glücksfaktor schon nivellierend eingreifen kann – es ist aber doch eben potentiell frustrierend und gemein und das Böse siegt immer.“

 

Und ihr so: „Ich verreise zu dritt!“

 

Und ich dann: „Ja, dann… Aber vielleicht möchte man unterwegs etwas mit einer kleineren Auslage. Die ist doch recht raumgreifend. Aber egal, kaufen solltet ihr es eh und dann könnt ihr selbst entscheidet, ob ihr Dolores mit in den Urlaub mitnimmt.

 

Und ihr fragt: „Klingt gut – aber wer war noch mal diese Dolores?“

 

 

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Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.


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