Der große Quizspielvergleichstest 2008

Peer Sylvester,  18. November 2008

Dieses Jahr ist der Quizspielvergleichstest deutlich umfassender als die bisherigen Tests. Daher ist etwas mehr Übersicht gefragt. Im folgenden Fließtext stelle ich die einzelnen Titel kurz vor – mit Regeln und Wertung versteht sich. Ganz unten gibt es dann die Steckbriefe mit allen Daten.
Erstmals sind auch ein paar Ratespiele dabei – also Spiele, bei denen nicht nur Wissen sondern auch gutes Schätzen gefragt ist. Überhaupt sind Ratespiele nach wie vor stetig im Kommen. Offenbar gelten sie als „lustiger“ und „spielbarer“ als Quizspiele. Aber werden sie vor der knallharten Spielbar-Quizspieljury Gnade finden?

Beginnen möchte ich mit einer Neuauflage: Gut 20 Jahre nach Erscheinen des Originals hat sich Jumbo an einer Neuauflage des Quizspiel Klassikers Spiel des Wissens gemacht. Ja, genau, das Quizspiel mit dem SF-Thema (Ziel ist das Verlassen des Sonnensystems). Ursprünglich ist es bei MB erschienen, fiel dann aber der Vereinigung mit Hasbro zum Opfer, die bereits mit Trivial Pursuit ein zugkräftigeres Quiz im Programm hatten. Nun war Spiel des Wissens ein Quiz der alten Schule und da wollen wir doch vor allem und als erstes wissen: Was hat sich geändert? Die Antwort ist ernüchternd: Genau genommen: Nix! Sicher, das Layout wurde verfeinert, Kleinigkeiten am Design geändert, aber im Großen und Ganzen ist die Zeit stehen geblieben: Man würfelt von Planet zu Planet, beantwortet Fragen ohne Auswahlmöglichkeiten (Na, wie groß ist die Fläche von Fehmarn?) und hofft insbesondere die Planetenfragen richtig zu beantworten, denn dort muss man im Falle einer falschen Antwort zurück und kommt ohne richtige auch gar nicht weiter (Sozusagen die Türsteher des Quizspieluniversums). Das Spiel krankt an der typischen Quizspielkrankheit: Gutes Würfeln ist wichtiger ist als breites Wissen, zumal auch der Schwierigkeitsgrad der Fragen (trotz zweier Schwierigkeitsgrade) stark variiert (Buchstabieren Sie Donnerstag!). Positiv lässt sich nur anmerken, dass die Fragenvielfalt wirklich enorm ist und dass genau genommen auch mehr als 6 Spieler mitspielen können. Ansonsten: Hoher Glücksfaktor, ausufernde Spieldauer und ganz und gar nicht mehr zeitgemäß. Hier hätte Jumbo lieber auf eine Neuauflage verzichtet!

Spiel des Wissens

Es ist wohl der anhaltenden Begeisterung für Kochshows geschuldet, dass gleich zwei Fernsehköche ihr eigenes Quizspiel präsentieren: Johann Lafer ist (angeblich) der Autor von Huchs Welt der guten Küche, der „Kochprofi“ Stefan Marquard gibt seinen Namen für Amigos Stefan Marquards Küchenlatein her (als Autor ist aber der eher unbekannte Marco Leopizzi angegeben).
Graphisch hat auf jeden Fall das Lafer-Spiel die Nase vorne: Edles Inlay, schöne Graphik und ein Teller von Villeroy & Bosch sorgen für ein sehr stilvolles Ambiente – das allerdings auch seinen Preis hat; ca. 40€ muss man dafür schon auf den Tisch legen.
Das Amigo-Spiel richtet sich optisch eher auf Stefan Marquard höchstpersönlich ein: Der Kochprofi ist auf dem Cover abgelichtet (finde ich persönlich nicht so schick, was nichts mit dem Koch zu tun hat, eher damit, dass es mehr nach Illustrierten und weniger nach Spiel aussieht), Spielsteine sind im Piratenlook gehalten, Brett und das ganze Design sind eher klassisch gehalten. Weder schön noch hässlich, aber preislich dafür entsprechend günstiger.
Und spielerisch?
Bei der Welt der guten Küche liest einer eine Frage vor. Soweit so bekannt. Pfiffig aber, dass durchaus mehrere der vorgegeben Antwortmöglichkeiten richtig sein können – manchmal sogar alle! Nur: Das wissen die Spieler eben nicht. Reihum können sie nun auf eine oder mehrere Möglichkeiten tippen. Punkte gibt es nur, wenn alle Tipps richtig sind und dann für jeden Tipp einen. Das hat den netten Effekt, dass man auf Sicherheit spielen kann und nur die Antwortmöglichkeiten wählt, von denen man sicher ist, dass sie richtig sind. Oder man spielt auf Risiko und wählt auch die „Wackelkandidaten“ – liegt man richtig kann man sich absetzen, liegt man falsch sind alle Punkte futsch. Ein schöner Mechanismus, der sowohl die Quizfans zufrieden stellt, die (wie ich) der Meinung sind, der Gewinner sollte auch am meisten gewusst haben, als auch diejenigen, die gerne etwas Zock in ihrem Quizspiel drin haben. Insgesamt ein sehr schön gestaltetes, solides Quizspiel. Zu höheren Weihen reicht es aber nicht, denn es sind doch eine ganze Reihe ziemlich biederer Fragen dabei – Was Johann Lafer in seine Suppe tut, mögen nur Eingeweihte wissen…

Welt der guten Küche

Wurde dem Lafer-Spiel schon eine stattliche Zahl an Fragekarten (300 Stück mit je zwei Fragen drauf) spendiert, kann dies von Stefan Marquards Küchenlatein noch getoppt werden! Insgesamt 480 (doppelseitige) Fragekarten aus 6 verschiedenen Bereichen bieten zumindest potentiell einen langen Spielspass. Ob der sich allerdings auch reell einstellt?
Hier geht es eher klassisch zu: Wer am Zug ist, würfelt, setzt und beantwortet eine Frage aus dem Bereich, auf dem er landet. Damit es nicht ganz so zufällig zugeht, hat man immer die Wahl, ob man die Augenzahl eines der beiden Würfel oder deren Summe vorgeht. Witzigerweise kommen dadurch die negativen Aktionsfelder eigentlich nicht wirklich zur Geltung – Das ist zwar in meinen Augen ein Pluspunkt, aber wenn niemand die ansteuert, warum gibt es sie dann? Damit sich das Ganze etwas vom „Frage vorlesen“ – „Frage beantworten“ – „Punkt kassieren“ – Einerlei abhebt gibt es eine sehr nette „Rezeptwertung“: Punkte gibt es nämlich nur wenn man entweder drei Fragen aus demselben Wissensgebiet beantworten konnte oder aus 4 oder gar 6 verschiedenen Wissensgebieten (man darf sich aussuchen ob man mit den vier Wertungen zufrieden ist oder es riskiert auf 6 zu spielen und eine Karte per Sonderfeld wieder zu verlieren). Definitiv eine nette Idee! Auch dass ein Mitspieler versuchen kann, eine falsch beantwortete Frage richtig zu beantworten, findet Gefallen vor unserer Quizspiel-Jury. Soweit so gut, doch was jetzt kommt, gehört ins Gruselkabinet der Spielregeln: Jedes Mal, wenn eine Frage falsch beantwortet wird, kommt ihre Karte in die „Vorratskammer“. Wird ein Pasch gewürfelt und die resultierende Frage richtig beantwortet, bekommt der Glückliche ALLE diese Karten und kann damit nach Gusto o.g. Punktekombinationen zusammenstellen! Ähnlich wie bei der „Frei Parken“- Monopoly-Hausregel kann man so mit einem Schlag schier uneinholbar vorne liegen. Das ganze wird noch abstruser durch die so genannten Jokerfragen: Hier ist wirklich jede Antwort richtig, man bekommt die Frage also geschenkt! Eigentlich eine witzige Idee um Quizspielfrust zu vermeiden wird sie in Kombination mit einem Pasch zu einem Gottesgeschenk. Wozu Fragen beantworten, wenn man mit Glück den Spielsieg ausgehändigt bekommt?
Auch sonst wirkt das Spiel nicht so richtig austariert: Es gibt viel zu viele Jokerfragen, so dass sich dieser Witz bald abspielt (zumal oft bereits beim Vorlesen klar ist, dass alles richtig ist). Die Spieldauer ist selbst in Minimalbesetzung viel zu lang, bei mehr Spielern müsste man nach der Hälfte aufhören, damit das Ganze eine vernünftige Länge bekommt. Die Biofragen sind im Vergleich zum Rest deutlich zu leicht (zumindest die Fragen, die wir erwischt haben). Es sind bei weitem zu viele Schätzfragen dabei („Wie viele Käsesorten gibt es etwa Weltweit?“) und zu wenig der wirklich originellen Buchstabierfragen.
Insgesamt also eine etwas halbgare (haha!) Angelegenheit, bei der einiges an vorhandenem Potential verschenkt wurde – Schade!
Immerhin bekommt man vier Rezepte aus Marquards Repertoire (was neben dem Foto wohl auch alles gewesen sein dürfte, was der Titelträger zum Spiel beigesteuert hat) – aber wer darauf Wert legt, kauft sich wohl besser ein Kochbuch.

Küchenlatein

Kommen wir von den reinen Quiz-Spielen zu den Ratespielen!

Bei Europa-Wissen von Noris geht es (meistens) mal nicht darum zu wissen, wo die Stadt XY liegt, sondern die meisten Fragen sind etwas interessanter: Wo wurde die Titanic gebaut? Wo befindet sich der längste Tunnel der Welt? Zu welchem Land gehört diese Flagge? Die Antwort kann man in vielen Fällen nur grob raten und dazu stehen drei unterschiedlich große Ringe zur Verfügung. Einen davon legt man auf den Spielplan und wenn der gesuchte Ort innerhalb des Ringes liegt, gibt es Punkte. Die Höhe des Ertrages hängt von der Größe des Ringes ab: Der größte Ring umfasst ganz Deutschland, der kleinste nicht mal die Schweiz, also ist es nur fair, dass der Einsatz von letzteren mit mehr Punkten belohnt wird. Das Verfahren ist einfach und effektiv und macht Spaß! Auch das Überprüfen der Antwort ist gelungen: Zwei Schnüre werden auf Koordinaten gelegt und der Kreuzungspunkt benennt den Ort – Schön, simpel, eingängig. Für mich als Geographie-Freund ist dieses Spiel wirklich ein Muss!
Doch so lobenswert die Leistung des Autorenpaares, so dilettantisch die Arbeit des Verlages: Gerade mal 220 Fragen (vermutlich so viele wie im Prototyp) liegen dem Spiel bei. Das ist nur deshalb zu verkraften, weil die graphische Ausfertigung des Spieles derartig abschreckend wirkt, dass man Schwierigkeiten haben dürfte, eine unbedarfte Runde zu einer Partie zu überzeugen. Tatsächlich erinnern Titel und Schachtelcover eher an Lernspiele für die Siebte Klasse als an ein lockeres Ratespiel. Der größte Klopfer sind aber die Ringe, die aus derartig minderwertigem Material gemacht sind, dass man berechtigte Zweifel haben darf, dass sie die ersten 3 Partien überstehen (Das meine ich ernst, meine sind schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Selbst Spielkarten sind aus stabilerer Pappe!). Das zumindest meinem Exemplar Spielmaterial beilag, das nicht zu dem Spiel gehört, vervollständigt das Bild nur.
Fazit: Innen Hui, Außen Pfui!

Europa-Wissen

Niemand geringeres als Friedemann Friese steckt hinter Fauna von Huch & Friends. Auch Fauna ist ein Ratespiel und im Prinzip funktioniert es ähnlich wie all die anderen Ratespiele der letzten Zeit (Finden Sie Minden, Globalissimo…). Aber es hat einen entscheidenden Unterschied: Es geht nicht um Geographie sondern um Tiere! Genauer gesagt kann man schätzen, wo bestimmte Tiere vorkommen, wie groß diese sind, wie schwer und wie lang der Schwanz (sofern vorhanden) ist. Man muss mindestens eine dieser Sachen schätzen, kann aber so viel schätzen wie man mag – allerdings bekommt man pro Runde nur einen falsch gesetzten Schätzstein zurück, wer sich also verhaut, ist in den Folgerunden handlungsunfähig. Ein schöner Mechanismus. Eine weitere Gemeinheit: Auf jedem Gebiet (für die Ortsschätzung) und jedem Längen/Gewicht/Schwanzlänge-Feld darf nur ein Schätzstein stehen. Da kann die Reihenfolge, in der man schätzt, schon mal entscheidend sein! Da man aber auch noch ein paar Punkte für „knapp vorbei“ gesetzte Steine bekommt, kann man sich schon mal an jemanden dranhängen, von dem man meint, er wüsste das Gewicht eines Schabrakentapirs auswendig (um mich mal zu outen: Ich weiß es, ich hab die Viecher im Zoo von Bangkok bewundert). Überhaupt, die Tiere: 180 bekannte und 180 eher schwierige Tiere sind in der Schachtel enthalten und das reicht für ein paar Partien durchaus, denn die Spieldauer ist erfreulich kurz. Ergänzungspacks wären aber dennoch schön. Bei den einfachen Tieren sollte eigentlich jeder Chancen auf ein paar Punkte haben, bei den schwierigen kann man sich schon mal arg verhauen – hier wird der „Tierprofi“ durchaus 9 von 10 Partien gewinnen, was bei der leichten Variante nicht gewährleistet ist, da dort alle in etwa denselben Wissensstand haben dürften. Das Spiel bleibt bis zum Schluss spannend – mir ist es sogar mal gelungen in einer Runde 40 Punkte aufzuholen und eine verloren geglaubte Partie so noch zu gewinnen! Ein wirklich gelungenes Spiel, bei dem der einzige Wehrmutstropfen die etwas geringe Tieranzahl ist. Ansonsten: Daumen hoch!

Fauna

Und das Gesamtfazit? Quizspielpuristen vermissen einen Primus wie das letztjährige Bezzerwizzer. Wer aber auch an lockeren Ratespielen seine Freude hat, findet genügend erstklassigen Ersatz. Entsprechend geht der Titel Spielbar-Quizspiel des Jahres dieses Jahr an ein Ratespiel.

Spielbar-Quizspiel des Jahres 2008 ist Fauna von Friedemann Friese.
Herzlichen Glückwunsch!

Spiel des Wissens
Jumbo
2-6 Spieler
1-2 Stunden
Überflüssig (Note: 5)

Fauna
Friedemann Friese
Huch & Friends
2-6 Spieler
46-60 Minuten
Gut (Note: 2)

Welt der guten Küche
Johann Lafer
Huch & Friends
2-5 Spieler
20-40 Minuten
Solide (Note: 3+)

Europa-Wissen
Arno Steinwender und Christoph Puhl
Noris
2-4 Spieler
Gut (Note 2-)

Stefan Marquardts Küchenlatein
Marco Leopizzi
Amigo
2-6 Spieler
60 – 90 Minuten
Mässig (Note: 4)

(Bei den Noten handelt es sich um Schulnoten)

Vergangene Preisträger:
Spielbar-Quizspiel des Jahres 2007: Bezzerwizzer (Jesper Bülow)

Ich danke Huch & Friends, Noris und Amigo herzlich für die Rezensionsexemplare!
 
 
 
 

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – Autor von Beiträgen auf www.spielbar.com.


3 Kommentare zu “Der große Quizspielvergleichstest 2008”

  1. Boudie schreibt:

    Da habt ihr eine gute Wahl getroffen – für mich ist Fauna auch ein Favorit dieses Jahres. Übrigens kann man sich auch mit den “einfachen” Tierarten ganz schön verschätzen, denn wer hätte gewußt, dass der europäische Dachs auch in weiten Teilen Asiens vorkommt???
    Noch ein Tipp zum Spiel mit Kindern: die Verhältnisse sind etwas ausgewogener, wenn Kinder grundsätzlich alle Schätzsteine zur Verfügung haben und damit mehr Chancen, einfach mal zu raten. Nur die Erwachsenen müssen falsch eingesetzte Steine abgeben und erhalten diese nach und nach zurück.

  2. Der große Quizspielvergleichstest schreibt:

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  3. Quizspiel Vergleichstest 2012 schreibt:

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