Babushka

Peer Sylvester,  30. März 2017

VN:F [1.9.22_1171]
Ihre Wertung:
Rating: 7.0/10 (1 vote cast)

Verlag: Logicus bei Huch & Friends
Autor: Inon Kohn
Spieleranzahl: 1 einsam- und allein-Spieler
Alter: ab 6 Jahre

In den 90ern gab es einen Boom auf dem Computerspielmarkt: Denkspiele! Und besonders beliebt: Denkspiele, bei denen man irgendwelche Dinge zusammenpuzzlen musste, die man aber nur schieben konnte und die sich dann ununterbrochen ohne anzuhalten in gerader Linie bis zum nächsten Hindernis weiterbewegten. Diese Spiele waren so beliebt, dass Alex Randolph das Prinzip in seinem Spiel Die verbotene Stadt verwendete. Ein Spiel, das es immerhin auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres schaffte. Randolph selbst sah sein Spiel nicht unkritisch und wandelte das Prinzip in ein reines Denkpuzzle um – Rasende Roboter war geboren!

Nach wie vor wird der Mechanismus in erster Linie für Denkspiele eingesetzt, allenfalls einige Spezialfelder bei Spielen wie Finstere Flure oder RoboRally findet sich abseits der Denk-Kategorie.

So, bei der ganzen Vorrede sollte jetzt hoffentlich ein bisschen klar geworden sein, dass auch Babushka auf dem Prinzip „Anhalten nur bei Hindernis“ beruht (wobei der Rand hier anders als bei den meisten anderen Spielen kein Hindernis ist, was die Sachlage enorm erschwert) und dass es sich um ein Puzzlespiel handelt. Sogar um ein Solopuzzle. Und da schließt sich der Kreis zu den oben erwähnten Computerspielen, die man ja auch alleine gespielt hat.

Babushka erweitert das Prinzip um, naja, Babushkas: Bis zu drei russische Puppen (bei den niedrigeren Stufen sind es nur zwei) müssen zusammengeführt und dann ineinandergesteckt werden, wobei eine geschlossene Puppe nicht wieder geöffnet werden darf. Das ist manchmal bemerkenswert knifflig – Man darf nur in direkt passende Puppen stellen und natürlich die Unterseite zuerst und von direkt benachbarten Feldern. Oft ist hier die richtige Reihenfolge zu finden fast genauso schwer wie das eigentliche Zusammenführen der Figuren davor:

 Alles steht schon bereit. Jetzt „nur“ noch auflösen…

 

Dieser Kniff macht das Spiel nicht nur sehr viel origineller und interessanter, sondern sorgt auch dafür, dass es als physisches Spiel überhaupt eine Berechtigung hat – die schönen Babushkas erhöhen durch ihre Haptik den Aufforderungscharakter und man kann das Ineinanderstecken besser sehen, als wenn es ein Computerspiel wäre. Die Haptik unterscheidet sich doch schon deutlich von den virtuellen Urvätern.

Damit habe ich es eigentlich auch schon verraten: Babushkas ist ein sehr gelungenes Puzzlespiel. Es ist wirklich interessant und hat einen hohen Aufforderungscharakter. Die Puzzles wollen gelöst und nicht durchprobiert werden. Der Schwierigkeitsgrad steigt langsam aber stetig an und tatsächlich kommen auf den höheren Leveln einige fiese Kniffe dazu (In den 50ern stagniert der Schwierigkeit ein klein wenig, aber da ist das Spiel auch schon fast zu Ende und die Rätsel sind sowieso schon verdammt schwierig). Bei manchen gibt es den Aha!-Effekt, der ein gutes Rätsel ausmacht.

Ich mag Puzzlespiele, aber die wenigsten konnten mich so sehr überzeugen wie Babushkas – das Letzte war vermutlich tatsächlich Rushhour und ein größeres Lob gibt es wohl kaum! Wenn jetzt noch die Schachtel nur etwas besser aussehen würde…

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.


Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.