Vorösterliche Ersteindrücke

Hallo,

ich weiß Ihr seid nicht unbedingt hier, um über Eindrücke von Spielen zu lesen, aber ab und an, muss ich ja mal einen Hype starten werf ich mal ein paar Ersteindrücke in die Runde – vor allem dann, wenn mir die Zeit und die Muße für großartige Themen fehlen. Ich versuche mich dabei kurz zu fassen und mich auf Spiele zu konzentrieren, über die man nicht schon 736 andere Artikel gelesen hat….

Paperback: Dominion meets Scrabble. Im ernst: Man baut ein Deck mit Buchstabenkarten und wenn man dran ist, kann man nur die Karten nutzen, die man in einem Wort untergebracht hat. Und die Buchstaben haben einen Wert – wie bei Scrabble – und damit kauft man mehr Buchstaben- oder Siegpunktkarten. Wir bei Dominion. Mehr muss man eigentlich auch nicht sagen: Wer Dominion und/oder Wortbildungsspiele nicht mag, wird auch Paperback nicht mögen. Umgekehrt ist Paperback noch etewas fluffiger als Dominion, da man eigentlich mit fast jeder Hand etwas anfangen kann und sich das Deck daher bedeutend schneller baut. Es ist auch noch mehr abhängig von den eigenen Fähigkeiten, denn wer keine „effizienten“ Wörter bauen kann (also mit möglichst vielen Handkarten), hat keine Chance gegen jemanden, der das kann. Bei ungleichen Fähigkeiten zwischen den Spielern könnte es daher leicht frustig werden. Ansonsten: Nette Idee!

Scythe: Ja, also, da habt ihr bestimmt noch gar nix drüber gelesen! Im ernst: Ich wollte auch kurz meine Meinung raushauen – der Spielverlauf dürfte ja so ungefähr bekannt sein. Also: Ich finde es nicht ganz so gut, wie der Hype sagt, aber besser als die Anti-Hyper sagen. Oder anders ausgedrückt: Es ist ein sauber designtes Spiel mit einigen schönen Ideen: Z.B. Die Entscheidungskarten und das Siegpunktprinzip. Gut gelungen auch das Material, dass -insbesondere bei den Spielertableaus – die Regel sehr gut unterstützt. Mir persönlich ist das Spiel einen Tick zu langsam. Es dauert doch relativ lange, bis man aus dem Knick kommt. Überhaupt dauert alles ein bisschen lange, bis man irgendwas machen kann – ein bisschen fühlt man sich, als müsse man erst ein paar Formulare in der nächsten Behörde ausfüllen, bevor man seinen Plan umsetzen darf. Sowas mag ich nicht unbedingt (Ich sage ja immer, dass ich einfach gestrickt bin: Wenn ich etwas machen will, will ich es sofort machen), aber hier ist es noch so gerade oberhalb der Grenze dessen, was ich noch OK finde. Da hilft es auch, dass man halt viele Optionen hat und es Spaß macht, die diversen Fraktionen und Karten und Gebäude und so zu entdecken. Thematisch beschränkt sich das Spiel aber schon ziemlich auf die Hintergrundstory und die Begegnungskarten und da denke ich, hätte man noch etwas mehr herausholen können. Also wie gesagt: In meinen Augen nicht ganz das geschnittene Brot, als dass es manchmal dargestellt wird, aber ein gutes Spiel. Mehr muss ja auch nicht.

Vast: The crystal Empire: Originell ist das Ding: Jeder der bis zu fünf Spieler übernimmt eine andere Rolle und jede Rolle hat ein komplett anderes Ziel und andere Regeln – so muss der Held den Drachen töten, der Drache muss aufwachen, der Dieb muss schätze stehlen, die Goblins wollen den Helden tötren und die Höhle (!) möchte zusammenbrechen. So aus Spieldesigntheoretischer Sicht ist das Spiel daher hochinteressant. Spielerisch hat es eine enorme Einstiegshürde, eben weil alle Rollen eigene Regeln haben und man prinzipiell 5 Spiele erklären muss. Und auch wenn alle Rollen unterschiedlich funktionieren, geht es in den meisten Fällen doch darum aus einer Reihe von Optionen, die beste rauszupicken. Ähm. Ok. Das gilt für alle Spiele. Ich meine, fast jede Rolle hat eine Reihe von Fähigkeiten, Zaubern, was auch immer und plant damit den Zug – Sonderfähigkeit 1 oder Sonderfähigkeit 2? Das geht aber meistens erst, wenn man dran ist. Die Downtime ist entsprechend. Hinzu kommt ein gewisses Bash-The-Leader-Element. Ein bisschen basiert die Balance nämlich nach meinem Gefühl darauf, dass alle ihre Sonderfähigkeiten/Waffen/Zauber/Wasauchimmer auf den Führenden werfen. Na gut. Das sind jetzt mehr negative Dinge, als das Spiel verdient hat. So schlecht ist es dann auch wieder nicht – Ich würds wieder spielen, alleine weil ich einmal alle Rollen gespielt haben will. Aber die Idee dahinter ist besser als das Spiel.

Fold-it: Ubongo meets Manifold ist die passende und bereits ausreichende Beschreibung – Gleichzeitig versucht jeder seine Serviette so zu falten, dass nur noch bestimmte Felder zu sehen sind. Wie immer bei solchen Wettpuzzlen, ist hier reiner Skill gefragt. Meiner ist hier deutlich niedriger als der bei Ubongo. Die schwierigen Aufgaben schaffe ich nicht einmal alleine ohne Zeitdruck.

Pack of Games: Bei Kickstarter gab es einst 10 Spiele von Chris Handy für ca. 30$. Das Besondere: Die haben Kaugummi-Packungs-Format. Man braucht also nicht viel platz! Alles sind Kartenspiele (mit Karten im Kaugummiformat) und spielerisch sicherlich nicht die originellsten unter der Sonne, aber zumindest die drei, die ich bislang gespielt habe, machten Spaß. Gut, Woo, ist nur ein leicht aufgbohrtes 66 und man braucht das nicht unbedingt. Aber Orc und Dig sind nett: Orc ist ein typisches 2-Spieler-Kartentauziehen, bei denen man an seine Seite anlegt und der stärkste die entsprechenden Punkte bekommt. Das originelle hier: Die Karten haben zwei Enden in unterschiedlichen Farben. Man muss farbrein anlegen und je nachdem ob man das stärkere oder das schwächere Ende anlegt, bekommt man nur 1 oder gar 2 Karten nachgezogen. Nachgezogen wird von den Stapeln neben einem Kampfplatz – ist der Stapel verbraucht, wird der Kampf ausgewertet. Schön verzwickt und kurzweilig.

Bei Dig läuft man mit seinem Hund von Liunks nach rechts, um Knochen aufzunehmen und in farblich passende Futterschüsseln einzuwerfen. Wird ein Knochen genommen, wird die Lücke mit einer Karte vom Ende aufgefüllt. Dadurch laufen die Futterschüsseln irgendwie mit der Zeit nach rechts. Sind alle Knochen weg, bestimmt die Reihenfolge der Schüsseln die Wertigkeit der entsprechenden Knochen. Das ist ebenso verzwickt und kurzweilig – Vermutlich wird das die Beschreibung der meisten Spiele der Reihe sein. Orc gefällt mir aber noch etwas besser.

Overseers: Man draftet, mit dem Ziel wertvolle Kombis zu bekommen. Dann legt man ein paar Karten offen und ein paar verdeckt aus. DANN überlegen die Spieler, wer wohl das wertvollste Blatt hat. DANN darf der Spieler, von dem alle denken, dass er das wertvollste Blatt hat, zugeben, dass er das wertvollste Blatt hat (und einen kleinen Penalty in Kauf nehmen) oder auch nicht, dann wird kontrolliert und je nach Wahrheitsgehalt bekommt er eine Strafe oder einen Vorteil. Und dann gibt es noch ein paar Sonderfähigkeiten und dann wird endlich gewertet. Glaube ich jedenfalls, ist schon ewtas her, dass ich es gespielt habe. Der Grund, dass es sich jetzt nicht so fest in mein Gedächtnis eingebrannt hat, ist aber eher die kurze Spieldauer gewesen – Overseers bewegt sich im Absacker-Bereich. Und da bewegt es sich souverän: Die Optik sitzt, draften und bluffen gehen immer gut zusammen und durch die immer anderen Kombis an Sonderfähigkeiten ist auch für Abwechslung gesorgt. Ich bin nicht vom Spieltisch aufgestanden und in den nächsten Internetshop gelaufen (die hätten auch komisch geguckt), aber wenn ich es in Essen oder sonstwo zum fairen Preis sehe, werde ich es mir einpacken.

Out of Dodge: PDF-Freeform-Live-Action-Rollenspiel oder so. Vier Spieler mit Rollenkarten spielen in einem Setting ähnlich Reservoir Dogs. Ist halt ein ziemliches Impro-Theater, die Rollenkarten sorgen für kleine Überraschungen. Aber letztlich müssen die Spieler entscheiden, wie alles endet und was die Regeln sind und das hätte vorher etwas deutlicher kommuniziert werden müssen. So haben wir immer auf einen Kniff gewartet, der nicht kam. 10 Minuten haben wir gespielt, dann haben wir alles gesehen und ja rollenspieltechnisch haben wir das Spiel auch logisch beendet. Aber wie sagte bereits Leisuresuit Larry: „Somehow you expected more“

Kingdomino: Ich schließe mal mit einem Spiel, zu dem bereits viel gesagt wurde und ergänze: Mir gefällts – es ist schön einfach und puzzlig und ich finde es bewundernswert, dass man aus einer Spielerreihenfolge schon ein Spiel machen kann (ich hab sogar etwas ähnliches in meiner Ideenliste, aber das wäre nicht halb so reduziert). Dieses Spiel macht was es will und das macht es gut. Man sollte halt nur keine großen strategischen Möglichkeiten erwarten.

…und passend noch der Hinweis auf die Rezenison von Automania.

ciao

peer

Peer Sylvester

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

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