Dez 31

Kennt ihr das, wenn ein Mitspieler keine Siegchancen hat und nur noch destruktiv spielt und versucht alles für die anderen kaputt zu machen? Dieser Mitspieler war diesmal das Jahr 2016. Privat lief es aber gar nicht so schlecht; Ich hab ein Haus gekauft und einen Kickertisch, drei Spiele veröffentlicht und für zwei weitere unterschrieben (darunter ein Quizspiel, also kein Quizspielvergleichstest im nächsten Jahr!). Insofern möchte ich mich nicht beklagen. Aber ich hoffe doch, dass sich das neue Jahr etwas mehr Mühe gibt!

Gespielt habe ich auch relativ viel, vor allem in der ersten Jahreshälfte. Die Leistungsdichte war hoch und entsprechend schwierig die Wahl zum Sylvester. Irgendwann konnte ich mich aber doch entscheiden:

Der Sylvester in Gold geht an Pandemic Legacy Season 1

Der Sylvester in Silber geht an Escape Room – The Game

Der Sylvester in Bronze geht an Star Wars Risiko

Der Sylvester in Magnesiumknollen geht an Captain Sonar

Man sieht den Trend zu immersiven Spielen, also zu Spielen, in deren Geschichte man eintaucht. Und auch wenn viele meiner Lieblingsspiele (z.B. El Grande, Skat, Hive) keine derartige Immersion bieten, hilft diese doch ein Spielerlebnis zu bieten, das beeindruckt, das im Gedächtnis bleibt.

Da ist zuerst natürlich Pandemic Legacy. In meiner Spielbox-Rezi bin ich da schon näher drauf eingegangen, aber nur kurz: Hier wird tatsächlich eine überspannende Geschichte erzählt. Die ist nun kein ganz großes Kino, hält aber ein paar schöne Überraschungen parat. Und Pandemie ist so ein tolles Grundspiel, dass auch die schwächeren Teile der Geschichte nicht stören. Ein einzigartiges Spielprinzip und etwas, dass zumindest bis zum regulären Spielende dauerhaft fesselt.

Bei Escape-Spielen bin ich immer noch nicht sicher, ob man die wirklich zu den Brettspielen zählt, denn das sind ja eher kooperative Puzzles? Keine Ahnung, auf jeden Fall bilden sie ein neues Genre. Und Escape Room – The Game bietet bislang die besten Escape-Spiele, in denen Rätsel und Story eine Einheit bilden. Und die „Fälle“ sind auch alle ganz eigenständig!

Star Wars Risiko wäre schon letztes Jahr auf der Liste gewesen, wenn ich es letztes Jahr schon mit korrekten Regeln gespielt hätte. Immer wieder spannend bis zum Schluss!

Captain Sonar muss bislang ohne Rezi aufder Seite auskommen, daher ein paar mehr Worte: Captain Sonar ist das bessere Space Cadets. Wie bei Space Cadets übernehmen die Spieler unterschiedliche Rollen (in diesem Fall auf einem U-Boot), die sie zeitgleich in Echtzeit ausfüllen müssen. Was bei Captain Sonar besser ist: Die Rollen sind intuitiver und weniger mit Regeln verbunden, als Space Cadets, welches mehr eine Minispielsammlung ist und daher eine relativ hohe Einstiegshürde bietet. Außerdem spielt man Captain Sonar in zwei Teams gegeneinander. Das wirft eine Menge Verwaltungsarbeit ab und sorgt zumindest bei uns für mehr Ehrgeiz, das andere Team zu schlagen. Und auch hier stimmt die Immersion: Die Rollen sind logisch und passen nahtlos in die Geschichte. Sicher kein Terra Mystica, aber ein durchaus taktisches Echtzeit-Katz-und-Maus-Spiel, das aber 6-8 Leute braucht, die durchaus bereit sein müssen, sich beim Spielen nicht unbedingt nur zu entspannen.

Wie ich oben schon schrieb: Die Leistungsdichte dieses Jahr war sehr hoch. Ich könnte hier sicherlich noch zehn (und mehr) weitere Spiele aufschreiben, die mir irgendwo gefallen haben, aber ich beschränke mich auf ein paar Besondere:

Capitol Lux ist die beste in Essen gekaufte Neuheit und spielt sich immer noch frisch. Ein schönes Dilemma, ob man die Karten in die Mitte spielt -wo sie allen helfen und einem selbst eine Spezialaktion ermöglichen – oder lieber in die eigene Auslage, um zu punkten. Hat nicht in jeder Runde gezündet, aber in den meisten!

Completto ist schönes Popkorn und gutes Popkorn enttäuscht niemals!

Tin Goose zeigt, dass ich durchaus auch komplexere Spiele spiele, vor allem wenn sie originelle Mechanismen bieten. In anderen Jahrgängen wäre es sicher in die Top 3 gekommen! Es zeigt, dass Eisenbahnspiele nicht immer mit Eisenbahnen funktionieren müssen, dass es noch sehr clevere Mechanismen gibt, die für Thematik und Spielspass auch in einem Euro sorgen und dass „komplex“ nicht „kompliziert“ heißen muss. Interessant auch die sehr unterschiedlichen Spielverläufe bei unterschiedlichen Spielerzahlen.

Im Absackerbereich haben sich zwei Spiele dauerhaft etabliert: Play Jeju und Habitats. Ersteres ist ein „koreanischen Mancala-Splendor“ und letzteres eines der „Legespiele, bei denen man versucht möglichst viel Krams zu werten“. Ersteres ist dank Mancala-Mechanismus ziemlich eigenständig. Es spielt sich flott und eigentlich meint man nicht viel Einfluss zu haben. Ich seh das aber anders, stehe ich doch bei nun mehr 8 Siegen bei eben so vielen Partien 🙂 Es ist ähnlich süchtig machend wie Splendor, aber mit witzigerem Kernmechanismus. Habitats kann man durchaus mit Isle of Skye vergleichen, da man ähnlich viele verschiedene Dinge versucht in seine Auslage zu quetschen und dann versucht möglichst viel davon zu werten – alles wird nicht gehen, also wo Kompromisse eingehen? Natürlich fehlt der geniale Verkaufsmechanismus aus Skye, dafür spielt es sich flotter. Wie das oft so ist: Welches der beiden man bevorzugt hängt vermutlich davon ab, welches man zuerst kennen gelernt hat. Sie sind qualititativ sehr eng auf. Ich habe aber Habitats zuerst gespielt.

Und ein Tipp für Stichspielfreunde: Eternity bietet gewohnte Stichspielkost, aber irgendwie auch nicht, denn der Dreh, während der Stichspielphase auch Ansagen machen zu müssen ist neu und sorgt für Spannung. Ich habe schon sehr viele Stichspiele, aber Eternity ist einzigartig genug um sich dauerhaft durchzusetzen!

Von der Quizspielfront habe ich bereits berichtet, hier sind in diesem Jahr besonders Linkee, Das Kneipenquiz und Wikipedia hervorzuheben.

Und noch ein älteres Spiel, dass ich erst dieses Jahr für mich entdeckt hat: Red 7. Wäre das dieses (oder letztes) Jahr erschienen, wäre es wohl unter die Top-3 gekommen! Ein wirklich gelungenes Kartenspiel mit origineller Idee und einer tollen Mischung aus Glück und Können und niedriger Einstiegshürde. Vielleicht der beste Absacker, den ich dieses Jahr kennengelernt habe!

Ich schließe mit einem kleinen Teaser auf 2017:

 

Frohes Neues!

peer

P.S. Wer sich auch für meine Lieblingsbücher interessiert: Hier meine Liste.

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.






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