Kick it like Europe

Das Kickstarter nicht mehr das ist, was es mal war ist irgendwie kein Wunder. Auch wenn das Phänomen vor zwei Jahren noch keines war, ist es so schnell für mich verglüht wie es aufgekommen ist. Immer mehr drängen auf diesen Markt und vielleicht implodiert er eines Tages auch oder nicht.

Derzeit nutzen es in erster Linie immer mehr Firmen als Werbeplattform um ihre Spiele auf den amerikanischen Markt zu bringen und auch wirklich interessante Spielenden scheinen immer weniger zu werden, weil sie sich aus den verschiedensten Gründen nicht profilieren können und sei es nur, weil sie keinen als Vollzeit dafür abstellen können, der das Projekt betreut. Kickstarter zu pflegen ist eine richtiger Job. Fragen müssen beantwortet werden und Streich Goals geplant werden und das ganze auf vielen Kanälen beworben werden. Gleichzeitig werden Leute die Enttäuschungen erlebt haben vorsichtiger und desillusionierter. Und damit meine ich jetzt nicht nur Projekte, welche Extras streichen, auf der Messe günstiger sind oder gar zu spät ausgeliefert werden.

Ich habe kein Problem mit Kickstarter als Werbeplattform. Soll mir recht sein, aber ich erwarte dann deutlich mehr.

Gestern ist nun Im Wandel der Zeiten das Würfelspiel – Die Eisenzeit auf Kickstarter gegangen. Ein Blick dadrauf und sofort sind sowohl die Ähnlichkeiten als auch die Unterschiede zu erkennen. Alles an dem Spiel schreit mich an und sagt: „Bitte kauf mich!“ Ich würde sofort zugreifen. Leider stimmt etwas anderes nicht: Der Preis. Das kostet wirklich $55? Auch wenn da ein Extra-Brett als Erweiterung beiliegt ist das in meinen Augen teuer. Hier der Link auf das gute Stück:

Roll Through the Ages: The Iron Age auf Kickstarter

Nun könnte ich es wieder auf unsere Verwöhntheit in hier Deutschland schieben, dass hier ein Preiskrieg in einem Ausmaß läuft, welcher für die Verleger keinen Spaß mehr macht. Auch ist es oft so, dass ich froh bin, wenn lieber konservativ gerechnet wird, damit am Ende es nicht an Geld menget, aber der Preis ist für mich wieder ein Unding. Das erste Roll through the Ages hat sich gut genug verkauft, dass es sich zu einem vernünftigen Preis verkaufen lies. Das wäre derselbe Preis, den ich vom zweiten Teil erwartet hätte. Aber das ist noch nicht mal der Teil der mich etwas frustriert. Es sind die Versandkosten.

Ja, in den USA sind die Versandkosten ein Unding von hoch. Das die Deutsche Post durch ihr Briefmonopol ewig lang zur Quersubventionierung ihrer anderen Sparten genutzt haben, hat dafür gesorgt, das der Versand von Deutschland aus sehr niedrig ist, so was ist in meinem Kopf drin. Bei Kickstarter wird aber oft der Versand in den USA inklusive betrachtet, während die Bäcker aus der alten Welt das volle Porto bezahlen dürfen, und nicht nur die Differenz. Europa ist an der Stelle kein erwähnenswerter Markt. Dies wird gerne noch logisch erklärt und mit Zahlen unterfüttert. Und da unterm Strich eh nicht genügend Internationale Bäcker mitmachen, lohnt es den Aufwand nicht, oder es machen zu viele mit und dann geht zuviel vom Geld für Porto drauf. Auch dies wurde von anderen schon schön auseinander genommen.

Lese-Pause: Why International Shipping Doesn’t Work For a Kickstarter

Aber an sich ist das Quatsch. Für mich ist es an der Stelle ein Beweis, dass die Leute sich nicht die Mühe machen wollen sich mit anderen Ländern zu beschäftigen. Etwas, was ich bei sehr kleinen Verlagen oder Erstlingswerken sehr gut verstehen kann, aber bei großen Projekten oder bei Werbezwecken wie hier nicht mehr akzeptieren mag. Das es geht haben einige bewiesen und das es so ger sehr gut geht und die Zahl der Bäcker dadurch deutlich nach oben gehen kann wurde zum Beispiel bei Euphorie bewiesen und auch ausführlich erklärt. Auch hier stimmt die Mathematik und der Markt ist auf einmal sehr viel größer. Und ein größerer Markt bedeutet mehr verkaufte Spiele und niedrigere Kosten pro Spiel.

Lese-Pause: How to Provide “Free” Shipping Worldwide on Kickstarter: A Comprehensive Guide

Aber was Amzaon hier anbietet könnte auch einer als Geschäftsidee für alle anbieten. An die herantreten die ein Projekt starten wollen und ihnen anbieten für ganz Europa den Versand zu übernehmen mit voller Kostenaufschlüsselung. Bei der Menge an angebotenen Spielen kann da schon ein lukratives Standbein entstehen.

Bei dem neuen Würfelspiel, scheint jemand die Hausaufgaben noch nicht gemacht zu haben. Sie loben sich selber für günstige Kosten und verlangen deswegen nur $19 nach Deutschland. $19? Aus Europa? Es mag günstig sein, aber es klingt nicht danach. Vielleicht schätze ich das Falsch ein und Das Gewicht des Spiels und die Kosten für die Komponenten ist das Geld Wert. Jedoch empfinde ich $74 = 55 € als einen heftigen Preis in welchen sonst nur Spiele wie Caverna vorstoßen.

Wobei ich mir eigentlich keine Sorgen machen muss. Denn wenn es gut läuft, dann kommt das Spiel auch so zu den Spielern und wird gerne von Verlagen hier aufgegriffen und für den Deutschen Markt rausgebracht. Und die Zeit habe ich in diesem Fall.

Matthias Nagy

Autor: Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.

10 Gedanken zu „Kick it like Europe“

  1. My analysis of the problems of international shipping might be „nonsense“, I guess, but the „free worldwide shipping“ guide is not a one-solution-fits-all-circumstances panacea for the problems.

  2. Hi Fred,
    thanks for reading (I guess google translate was a help).

    Not your analysis is nonsense for me, but the solution you offer. And not for everyone but specifically for companies that are looking into Kickstarter as a tool for marketing. I expect them to have a solution for Europe ready. A solution that is better then asking for a lot of money.
    So no offense to you, as it helped me to understand more about some stuff that is happening in the Kickstarter world, but ignoring a big market is not the right way.

  3. Hi Jamey:
    I do not say that it is inaccurate. I rather mention that it feels very high. I have no idea how much the game in the end will weight, but shipping from Germany to Germany for up to 10kg costs 5,90€ – with expensive DHL. This price in the head lets everything else look high. So shipping everything form Germany can be a lot cheaper then shipping everything from one other country in Europe.

  4. Hi Matthias,
    ich habe auch das Gefühl, dass KS langsam wieder auf den absteigenden Ast gerät, selbst in Amerika. Der „novelty effect“ ist schon wieder dahin. Von den Portokosten mal abgesehen, ist die Wartezeit auf das Endprodukt meiner Meinung nach einfach zu lang. Wer weiß schon, was er in 9-12 Monaten gerade spielen will?
    Eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es auch keine Spielprojekte, die mich so von den Socken hauen, dass ich sie unbedingt haben muss. Hat mich zwar nicht davon abgehalten, ein paar Spiele zu backen, damit ist seit einer Weile aber auch schon wieder Schluss.
    Gruß,
    Hendrik

  5. Hi Hendrik,
    ein weiterer Grund warum es als Marketing Tool mehr an Bedeutung gewinnt. Die Spiele hier werden dann meistens eh produziert und die Kickstarter-Kampagne kann zeitnah angesetzt werden, so dass das Spiel schon rund einen Monat nach dem Ende in der Hand der Spieler ist. Gesichertes vorbestellen per Vorkasse.

  6. Hi Jamey,
    I have the impression they are not shipping from Germany, which feels wrong as Germany has the lowest logistics costs. They have their lowest cost for the Belgium ad the Netherlands, which either might be the country they are shipping from. But they also write they subsidize it by $7, which would make the total from one of these two countries to Germany $26.

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