Nov 01

Von der Spiel vom Tisch gewischt

Peer Sylvester,  2009      

*Anmerkung: Ich habe eine Stunde an einem Artikel geschrieben, beim nächsten Einloggen war nur noch ein Drittel davon da. Ich rekonstruiere jetzt schnell den Rest. Daher bitte ich Ungenauigkeiten zu entschuldigen*

Ich bin sicher es gibt einen journalistischen Fachbegriff für Meldungen, die durch wichtigere Nachrichten von den Titelseiten verdrängt wurden (z.B. vom Golfkrieg oder der Bundestagswahl). Ähnliches gilt natürlich auch in der Spieleszene, die sich in den vergangenen Wochen der Spiel zugewandt haben. Dabei ist eine Meldung unter den Tisch gefallen, die aus mehreren Gründen bemerkenswert ist:

Die SAZ hat die Kooperation zwischen der Agentur White Castle und Pegasus deutlich kritisiert. Insbesondere haben sie klar gestellt, dass sie Agenturen als Option für den Spieleautoren empfinden, die keinesfalls verpflichtend werden sollte. MaW: Verlage sollten ihre Kosten, die sie für unangeforderte Spielezusendungen bekommen nicht auf die Autoren abwälzen (isnbesondere auch nicht auf die Autoren, die einen Vertrag bekommen, denn genau das ist ja bei White Castle der Fall)

Dieses Statement ist schon daher bemerkenswert, weil es genau das Gegenteil der umstrittenden Ravensburger Äußerung aussagt. Damals war die Zusammenarbeit eines Verlages (Ravensburger) mit einer Agentur (Projekt Spiel) ausdrücklich begrüßt worden (Was für sehr viel Kritik in- und außerhalb der SAZ nach sich zog). Nun wurde das Statement von damals nie offiziell revidiert – auch in Verbindung mit dem aktuellen Presseerklärung nicht – aber die Aussage ist klar: Die Wahl einer Agentur sollte dem Autoren überlassen werden, nicht dem Verlag. Und das muss auch für Ravensburger gelten.  Ich hatte bereits in der Vergangenheit eine neue Ausrichtung in der SAZ bemerkt, dies scheint fortgesetzt zu werden. Ich hoffe die SAZ bleibt bei dem Kurs. Das Problem ist sicherlich, dass der Kurs im wesentlichen durch den aktuellen Vorstand bestimmt wird – auch wenn sich (hoffentlich) durch ein neues internes Forum daran etwas ändern könnte. Immerhin haben sie auch ihre eigenen Ziele neu formuliert – die enthalten jetzt etwas konkretere Ziele anstelle der bisheriegen Worthülsen und auch hier meine ich die Abkehr vom bisheriegen “Handelskammer”-Weg mehr in Richtung “Spieleautorengewerkschaft” (welche die SAZ lange noch nicht ist) herauszulesen.

Bemerkenswert allerdings auch, dass mit Christian Beiersdorf der Betreiber einer Agentur im Vorstand sitzt. Der ist auch Autor und wohl deswegen in der SAZ. Aber dennoch ist es schon etwas merkwürdig wenn die SAZ ein Schreiben herausbringt, dass sich gegen ein Konkurrenzunternehmen (White Castle) eines Vorstandsmitgliedes richtet, insbesondere weil der 1. Vorsitzende die Arbeit der Ravensburger Agentur vor kurzem in einem Interview für Reich der Spiele noch gelobt hat. Da passt noch nicht alles zusammen bei der SAZ. Ob hinter den Worten auch Taten folgen, wird man abwarten müssen…

Einer, der darüber wachen könnte, ist bald nicht mehr dabei: Gegen Günter Cornett läuft z.Z. ein Ausschlußverfahren. Sicherlich, das ist intern, und sicherlich gilt, dass wenn man nicht mehr zusammenarbeiten kann, sich trennen sollte. Doch Kritik aus den eigenen Reihen ist gut und wichtig und der Ausschluß daher (aus Sicht eines Außenstehenden) bedauerlich. Verstummen wird die Kritik von Günter durch den Ausschluß sicherlich nicht. Nur wird sie dann noch weniger intern geführt, da wo es wehtut, aber auch da wo es nottut. Meines Wissens wird z.B. gerade eine längst überfällige Debatte über das Stimmrecht innerhalb der SAZ geführt, die von eben jenen Günter Cornett angestoßen wurde.

ciao

peer