Jan 25

Ein Kessel Neues

Peer Sylvester,  2009     Kommentar hinzufügen

In unregelmäßigen Abständen gibts bei mir ja immer ein paar Ersteindrücke zu bestaunen. Heute ist es wieder soweit. Immer dran denken: Diese Eindrücke beruhen auf 1-2 Partien!

Ganz frisch kam Der Palast von Eschnapur von den Brands auf dem Tisch (zu dritt). Nun muss ich zugeben, dass ich eine ganze Reihe der Elemente in diesem Spiel schlichtweg nicht mag: Es wird verdeckt um eine Reihe von Positionen geboten (finde ich z.B. nicht so toll), das entsprechende bekommt der Höchstbietende, es sei denn es gibt ein Patt, dann bekommts der Nächsthöhere (das auch nicht). Ziel ist es im Prinzip Steine in Paläste zu setzen und dann dafür zu punkten. Originell ist, dass man mit Geldkarten bietet und entsprechend (bekommt man Geldkarten) genau auf die Stückelung achten muss. Nun, was ich absolut nicht ausstehen kann, ist wenn ein Spiel prinzipiell nach Planung verlangt, dann aber durch nicht kalkulierbare Aktionen jegliche Planung von den Mitspielern willkürlich kaputt gemacht werden kann. Und genau das passiert hier. Richtig wehren kann man sich auch nicht (wegen der Auspattregel). Somit hatte das Spiel relativ schnell einen schlechten Stand. Aber es kam noch schlimmer: Die Wertung ist brutal, wäre aber in einem taktischen Spiel gut aufgehoben. Hier passt sie überhaupt nicht. Eine “Schiebe-Aktion” (deren Einsatz man nicht planen kann -s.o.) kannlocker mal 10 Punkte ausmachen – während wir sonst immer so auf 1-3 Punkte zusammen standen. Da passte für mich die Wertung nicht zum Glücks/Ärgerfaktor und mir fehlt für sowas die Frusttoleranz. Andere mögen sowas witzig finden, ich nicht… Was das Spiel letztlich aber auch für meine Mitspieler verdorben hat, sind die Sonderfähigkeiten die man mit Spezialpunkten kaufen kann. Dieser Teil passte nämlich überhaupt nicht zum restlichen Spiel. Zum einen musste man die ständig im Blick haben und das passt nicht zu einem “leichtem” Spiel. Zum anderen muss man die im dem Moment kaufen, wenn man die einsetzt. Wollen mehrere Spieler die einsetzen, gilt: Wer zuerst ruft! Völlig missglückt! Warum? Es sah so aus: “Ich will den Tauschschutz kaufen”, “Geht nicht, erst in der nächsten Phase.” Ok, also warten, als dann die nächste Phase begann riefen zwei Spieler gleichzeitig: “Ich wills!” Da brachen wir (nach viel zu langen 60 Minuten, es wäre noch etwa 15 Minuten gegangen) ab – Wer von den beiden das Ding bekommen hätte, hätte dadurch 8 Siegpunkte mehr bekommen… Also, ich werds nicht mehr spielen.

Auch Fits – der aktuelle Ravensburger Knizia – fand den Weg auf unseren Spieltisch. Meine Kurzbeschreibung: Tetris-Bingo. In vier Runden “fallen” bei jedem Spieler dieselben Tetrissteine auf die private Ablegefläche. Da jeder Stein nur einmal vorkommt gibts gegen Ende etwas Planungssicherheit. Da jeder mit einem anderen Stein beginnt, ist für Varianz gesorgt. Es gibt vier Runden. In jeder Runde gibt es für nicht abgedeckte Felder Minuspunkte. Pluspunkte gibt es in der ersten Runde für lückenloses ausfüllen von Reihen (wie beim echten Tetris also), in der zweiten und dritte Runde für das bewusste offen lassen bestimmter Felder (in der dritten gibt es auch Felder, die 5 Minuspunkte bringen) und in der vierten Runde gibt es Paare von Symbolen: Sind bei Rundenende beide Paare offen gibt es 3 Plus- bei nur einem Partner 3 Minuspunkte (sind beide zu gibt es nichts).

Bereits aus der Beschreibung sollten zwei Dinge auffallen: Das Spiel ist eine Tetris-Simulation und die Interaktion ist Null (und damit meine ich wirklich “Nicht vorhanden”).  Das ist nicht weiter tragisch, nur wissen muss mans. So puzzelt jeder ein wenig vor sich hin und hofft auf die richtigen Teile. Und die sind kritisch. Sehr kritisch! Anders als bei Tetris ist ein späteres Einschieben in ein Lücke nicht möglich, Überhänge blockieren also alle darunterliegenden Felder. Und so kann ein unglückliches Teil zur falschen Zeit (besonders das Kreuz ist so ein Kandidat) für einen Haufen unvermeidbarer Minuspunkte sorgen. Ähnlich wie bei Bingo ist man dem Glück doch ziemlich ausgeliefert. Die erste Runde ist zudem extrem langweilig, denn hier wird man durch ein unglückliches Teil doppelt bestraft. In den Runden zwei und vor allem drei gibts dann ein paar Risiko-Management-Minientscheidungen. Runde vier ist dagegen wieder eine ziemliche Glücksangelegenheit. Alles in allem funktioniert Fits, wirklich Freude kam aber nicht auf. Man puzzelt halt vor sich hin. Absolute Nichtspieler, die sonst nichts kennen, mögen dabei sogar noch gut unterhalten werden (zumal die Einstiegshürde ja praktisch nicht vorhanden ist), uns gelüstete es aber dann doch nach mehr. Take it Easy z.B. bietet doch deutlich mehr, bei ähnlichem Spielprinzip.

Von der Existenz dr Kosomos-Kartenspielreihe habe ich erst erfahren als ich im Sommer die ersten Spiele im Laden gesehen habe. Und dann hat es bis zum Januar gedauert bis ich das erste Spiel gespielt habe: Beim Jupiter ist ein Rage-ähnliches Stichspiel, in dem Sinne, dass man die Stichanzahl vorhesehen muss. Das geschieht auf recht originelle Weise: Man legt eine seiner Handkarten unter die angestrebte Stichanzahl. Am Ende bekommt man eine Karte, die unter der erreichten Stichanzahlskarte liegt – das muss nicht die Karte sein, die man selbst platziert hat! Diese Karte zählt dann mit ihrem Wert. Das eigentlich Spiel ist dann gewohnte Stichspielkost, allerdings gibt es eine Reihe von Sonderkarten: 2 Karten stellen die höchsten Trümpfe. Von jeder Farbe gibt es einen Gott, den man als höchste oder niedrigste Karte spielen kann. Und es gibt einige Opferlämmer, die niemals den Stich machen. All diese Karten erlauben viel Spielkontrolle – wenn man sie denn hat. Wenn nicht sorgen sie für Unberechenbarkeit. Ein Beispiel: Ich will keine Stiche mehr machen und spiele mich so frei, dass ich nur noch eine Farbe habe, die die Mitspieler nicht haben. Normalerweise bin ich sicher, kommt aber mein rechter Nachbar mit einem Opferlamm heraus, muss ich die erste Karte des Stiches ausspielen und mache den Stich- Ärgerlich! Letztlich ist das alles solide Stichspielkost. Ich persönlich bin aber wohl zu Skat-verwöhnt: Ich will mit jedem Blatt gut spielen können. Ich mag Stichkartenspiele nicht die einerseits etwas komplizierter sind, bei denen man aber Glück haben muss, um taktieren zu können (Darum mag ich übrigens auch kein Doppelkopf).

Bei unserer Partie Sutters Mill gab es einen Regelfehler ohne den das Spiel etwas mehr Tempo gehabt hätte. Das hat man auch gemerkt – Die ersten Phasen verliefen etwas zu langsam. Aber auch so: Eigentlich habe ich ein athmosphärisches Western-Spiel erwartet mit einer guten Grundidee: Erst muss man aufbauen, dann abbauen. Leider ist das Spiel dann doch sehr mechanisch ausgefallen und einige Abläufe wiederholen sich dann doch für meinen Geschmack zu häufig. Gegen Ende kommt etwas Spannung auf, wenns darum geht, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen von Auf- zu Abbau zu wechseln, doch unterm Strich fand ichs enttäuschend. Ich würds nochmal spielen (auch um zu sehen wie sich der Regelfehler nun tatsächlich ausgewirkt hätte), muss aber auch nicht. Schade finde ich auch, dass die Karten deutlich mehr zählen als das geschürfte Gold – Für ein Goldgräberspiel thematisch nicht ganz passend. Unbedingt vor einem Kauf Probespielen!

Ricgtig gut hat mir dagegen Ein bisschen Mord muss sein gefallen und das obwohl wir mit dem Minimum an Personen (4) antraten. Gut, das Spiel hätte auch “Ein bisschen Spaß muss sein” heißen können, denn in einer kommunikativ agilen Runde wie der unseren hat der Inspektor zumindest bei dieser Spieleranzahl kaum eine Chance, aber ums Gewinnen gehts bei einem solchen Spiel auch nicht unbedingt. Hier wurde das altbekannte Prinzip “Eine Geschichte mit vorgefertigten Begriffen erzählen” verfeinert: Ein Spieler (der Täter) hat andere Begriffe als die anderen Erzähler (die Unschuldigen). Der Inspektor versucht herauszufinden, wer der Täter ist. Die anderen können Wetten abschließen, ob der Inspektor erfolgreich ist oder nicht. Unterm Strich lohnt es sich für die Spieler eher den Inspektor scheitern zu sehen und so versuchen alle Spieler die obskuren Begriffe, die sie bei anderen Spielern gehört haben, ebenfalls einzubauen und um eigene obskure Begriffe zu ergänzen. Wer auf dem Mund gefallen ist, wird hier keine Freude haben, für Erzählspielfreunde geht der Daumen aber klar nach oben!

Kaum habe ich angefangen an einem Induktions-Spiel zu arbeiten erscheinen gleich zwei Spiele dieses Genres in Essen. Professor Pünsche habe ich Essen wegen der Graphik für ein Kinderspiel gehalten und nicht beachtet. Die 3 Gebote habe ich dagegen mitgenommen. Es verknüpft die Induktionsidee mit einem Partyspiel: Einer der Spieler legt die Regeln mittels Karten fest: Für ein paar Handlungen gibt es Plus- für ein eine Handlung Minuspunkte. Dabei gibt es Karten die sich auf die Stellung der Steine auf dem Brett beziehen (Gerade Anzahlen in bestimmten Feldern, Überqueren von Grenzen etc.) und Karten die etwas Partyspiellaune mit reinbringen (Beim Spielen reden, den Tisch verlassen oder sich wie ein Macho verhalten). Spielerisch kam der Mix in unserer Sechserrunde sehr gemischt an: Man hat nämlich wirklich keine Chance die Regeln zu erraten und tapt daher vollständig im Dunkeln. Man wird dabei also versuchen zumindest Minuspunkte zu vermeiden (oder mit Absicht was falsch zu machen: Beim dritten Spieler, der keine Punkte bekommt gibst nämlich Punkte für alle außer dem Regelmeister). Wenn man das weiß und sich auf das Stochern im Nebel einlassen kann, kann durchaus Spaß haben. Wer aber den Anspruch hat, zu wissen was man tut, wird enttäuscht. Ich selbst bin noch unschlüssig, würde das Spiel nochmal spielen. Definitiv aber nicht für jedermann!

Und weils so schön passt: Zu Municipium gibt es jetzt eine ausgewachsene Rezension.

Zu guter Letzt wollte ich noch auf diesen Link hinweisen. Auf der Seite findet man sonst wohl Kommentare zu aktuellem Zeitgeschehen in Thailand, aber in diesem Post wird die Provinzauswahl in König von Siam aus historischer Sicht beleuchtet.

ciao

Peer





5 Kommentare zu “Ein Kessel Neues”

  1. Andy schreibt:

    Danke fuer den Link, nur das Thema des Blogs ist ein klein bisschen anders – die aktuelle Politik dort ist nur am Rande das Thema, vielmehr konzentriere ich mich allein auf die Verwaltungsgliederung, also die Provinzen, Kreise, Staedte etc.

  2. ode schreibt:

    Hi peer,

    du solltest dich vielleicht ein wenig eingehender mit Doppelkopf beschäftigen, wenn du dieser Meinung bist! Für mich gibt es auf der Welt kein Stichspiel, dass annähernd so genial ist. Und bei Doppelkopf ist es ähnlich wie bei anderen Spielen: Aus dem Vorhandenen das Beste machen. Auch ohne Glück (also mit schlechten Karten) kann man jede Menge machen… (Schon mal gesehen, wie deinen Mitspielern der Kamm schwillt, wenn man ihre Dullen und Ricken mit nem Fleischlosen in Grund und Asche spielt?)

    Gruß…ode.

  3. Peer Sylvester schreibt:

    Oh ich habe bereits sehr viel DoKo gespielt. Gerade als Student am Fachbereich wars DAS Spiel schlechthin. Ich fands Skat aber in allen Variationen die ich so kennenlernen durfte unterlegen. Ist wohl auch Geschmackssache. Wobei man gerade bei DoKO auch feststellen muss: Der Anspruch hängt SEHR von den verwendeten Regeln ab…

  4. ode schreibt:

    Bei mir ist es genau anders herum. Aber ich spiel schon DoKo seit kleiner Stöpsel…

    Jeder so, wie er es mag!

    Gruß…ode.

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