Its Kaffeesatz-Time!
Bald (am 25.5.) gibt die Jury ihre Nominierungen für das Spiel des Jahres bekannt. Das ist eine gute Gelegenheit meine überlegenden Fähigkeiten als Jury-Kenner unter Beweis zu stellen. ![]()
Eines ist aber auf alle Fälle sicher : Die Nominierungsliste wird Gesprächsstoff bieten. Und zwar mehr als sonst, denn dieses Jahr gibt es mit einer Ausnahme keine typischen Spiel-des-Jahres-Anwärter. Alle denkbaren Spiele hätte man in anderen Jahren aus dem einen oder anderen Grund nicht für Nominierungswürdig gehalten. Aber dieses Jahr MÜSSEN Überraschungen draufstehen - die Frage die bleibt ist nur: Was für Überraschungen? Hier meine Tipps, Kandidaten und Kommentare:
Die Ausnahme von der ich sprach ist Stone Age. Hier haben wir ein recht einfaches Spiel mit eingängigem Mechanismus, welches sowohl in Punkto Komplexität als auch Spieldauer genau den SdJ-Vorgaben entspricht. Es bietet spielerisch einigermassen was neues, macht Viel- und Wenigspielern gleichermaßen Spaß (Wichtiges Kriterium! Man denke an Carcassonne!) und bietet sogar Raum für Erweiterungen. Sogar die Schachtelgröße passt - Insofern würde es mich schon sehr wundern, wenn Stone Age nicht auf der Liste stehen würde (vor allem angedacht der fehlenden echten Konkurrenz). Aus den genannten Gründen halte ich es auch für den Wahrscheinlichsten Kandidat für den Hauptpreis (wobei die Möglichkeit besteht, die Jury nutzt die Gelegenheit aus der Not eine Tugend zu machen und prämiert dieses Jahr mal wieder ein völlig untypisches Spiel - wie damals mit Villa Palletti).
Alle weiteren Tipps sind zwangsläufig wenig gesichert. Ich erwarte nicht, so viele Treffer zu landen wie letztes Jahr
Beginnen wir mit Keltis. Natürlich, kein typischer Kandidat, weil eine Bearbeitung eines bekannten Spieles. Zudem ein Spiel, dass erst in Vollbesetzung so richtig funkt. Aber: s.o.! Hier hätte die Jury die Chance Reiner Knizia zu nominieren und der hätte es wirklich mal verdient. Das Spiel selbst ist einfach und eingängig aber dennoch spannend. Dagegen spricht allerdings, dass es vielleicht zu einfach sein könnte und es letztes Jahr mit Zooloretto bereits einen eher leichten Hauptpreis gegeben hat. Aber eine Nominierung könnte schon drin sein.
Metropolys. Seufz! Ja, ich habe geschrieben, dass dies kein SdJ-Kandidat ist. Aber die Jury nominiert nun einmal auch gerne mal ein etwas anspruchsvolleres Spiel und da böte sich Metropolys an. Alternativ kann dieser Platz auch an Wie verhext vergeben werden - Das einzige Spiel aus dieser Auflistung, das ich noch nicht gespielt habe.
Big Points hat eigentlich eine zu kleine Schachtel aber irgendwas ist ja immer… Auch von Spieldauer und Anspruch reicht Big Points eigentlich nicht an ein “vollwertiges” Spiel des Jahres heran, weswegen ich diesem Spiel in normalen Jahren nur eine Erwähnung für die Empfehlungsliste zugetraut hätte. Dieses Jahr könnte es als Aussenseiter sogar auf der Nominierungsliste draufstehen (wie seinerzeit z.B. Seeräuber) - nicht zuletzt auch um die Easy-Play-Reihe von Schmidt zu adeln, die ja konzeptionell voll auf der Jury-Linie fährt. Wirkliche Titelchancen räume ich dem Spiel aber nicht ein.
Jamaica ist noch so ein Titel den ich normalerweise nie auch nur in der Nähe einer Nominierungslistendiskussion genannt hätte - Trotz neuartigem Mechanismus spielt es sich doch irgendwie eher wie ein klassisches Würfelspiel und verströmt irgendwie überhaupt nicht das “Spiel-des-Jahres-Feeling”. Doch es kam bislang in all meinen Runden gut an! Besonders in Wenigspielerrunden oder bei meinen Eltern war (und ist) Jamaica immer ein voller Erfolg. Jamaica wäre das oben erwähnte überraschende SdJ - ob sich die Jury darauf einlässt?
Soweit meine Tipps. Es folgen noch ein paar Aussenseiter:
Sollte (was ich vermute) ein oben erwähntes Spiel nicht nominiert werden, so erwarte ich stattdessenn das Spiel Eketorp auf dessen Platz. Damit wäre dann ein Queen - Spiel auf der Liste, was ja in letzten Jahren fast obligatorisch ist. Zudem spricht für Eketorp dass es einen eingängigen Mechanismus besitzt, bis zu 6 Spieler mitspieler können und auch die jüngeren den Spielablauf gut erfassen können. Aber unterm Strich ist es doch eher bekannte Kost - Zwar gut ausgeführt, aber letztlich nichts weltbewegendes. Daher nur ein Aussenseitertipp.
Gangster wäre durchaus ein guter Kandidat für die Nominierungsliste - allerdings ist das Thema nicht familientauglich, schließlich hat Mord nichts auf den Jury-Listen verloren. Einzige Chance: Letztes Jahr war mit Imperial erstmals ein Spiel mit Kriegsthema auf der Empfehlungsliste. Wird die Jury weich?
Toledo hat einen vehementen Verfechter in meinem Spielkreis und für das Spiel spricht der Komplexitätsgrad, der eigentlich gerade im Jury-Korridor liegt, sowie das unverbrauchte Thema. Aber ganz ehrlich gesagt: Ich glaube es nicht. Es ist zu unauffällig, die Mechanismen zu bekannt. Es wirkt nicht neu, es bleibt nicht so recht im Gedächnis. Anders ausgedrückt: Es fehlt das gewisse Etwas, das Besondere, das nominierte Spiele auszeichnen müssen. Insofern tät mich eine Nominierung schon überraschen.
Hängende Gärten und Suleika habe ich vor Verfassen dieses Textes extra noch einmal gespielt, um sie ggf. mit in die Liste aufnehmen zu können. Ich schließe beide für eine Nominierung aus. Suleika ist ein nettes Würfelspiel, ist aber kaum geeignet das Kulturgut “Spiel” zu fördern - es ist eben nur ein einfaches Würfelspiel. Damit kann man kaum den Massen zeigen, was für einen Entwicklungssprung Spiele in den letzten 20 Jahren gemacht haben. Und die Hängenden Gärten mag ich mir auch nicht auf der Nominierungsliste vorstellen. Zwar ist das Spielprinzip eingängig, doch auch hier fehlt es an Substanz. Das Puzzlen passt zudem imho nicht zu dem hohen Glücksfaktor beim Ziehen von Karten und Plättchen. Auch ist es eher abstrakt und wirkt auf den ersten Blick etwas verkopft. Und wo wir gerade beim Ausschließen sind: Agrikola mag den Deutschen Spielepreis abräumen, von der Jury dürfte es bestenfalls eine Erwähnung auf der Empfehlungsliste erhoffen. Familienvariante hin oder her: All die Karten überfordern die Durchschnittsfamilie - und die zahlreichen Regelfragen im Forum zeigen auch, dass hier kaum Kost für den Wenigspieler vorliegt. Ich sage aber hervor, dass wieder einige Unbelehrbare im Forum mit harten Bandagen für dieses Spiel kämpfen und bei Nichtnominierung auf die Jury schimpfen
Und König von Siam? Ist natürlich so überhaupt nicht Nominierungstauglich: Es ist nicht sofort eingängig, es ist ein Grübelspiel, zu viert ist es ein Partnerspiel - alles KO-Kriterien. Über eine Erwähnung auf der Empfehlungsliste würd ich mich tierisch freuen, mehr ist keineswegs drin.
ciao
Peer

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