Der legitime Nachfolger von Michael Jordan
Wieder einmal ist ein Jahr ist um.
Ich weiß nicht was 2008 geschehen wird, aber ich bin ganz sicher: Es wird wieder ein aussergewöhnlich gutes Spiel erscheinen. Nein, ich weiß nicht welches. Nein, ich hab noch nichts von Verlagen bezüglich möglicher Veröffentlichungen meiner eigenen Spiele gehört. Ich basiere die Aussage einfach auf die Erfahrung der letzten Jahre.
2007 erschien Agricola, ein Spiel, dass nach Meinung von Spielerforum und Boardgamegeek “das beste Spiel der letzten Jahre” war. Eine bemerkenswerte Leistung, erschien doch 2006 Through the Ages, “eines der elegantesten und durchdachtesten Hardcorespiele überhaupt”. Und vergessen wir nicht: 2005 erschien Caylus “der legitime Nachfolger von Puerto Rico”. Natürlich ist das alles nichts besonderes und kann einerseits mit den unterschiedlichen Geschmäckern und andererseits mit dem “Im Internet muss man lauter reden, um aufzufallen”-Phänomen erklärt werden. Eine passendere Erklärung ist aber wohl eher, dass neue Spiele mehr reizen als alte. Man will an einem neuen Spiel etwas besonderes sehen, vor allem wenn es das Spiel eines Kleinverlages ist und man damit etwas besonderes in Händen hält. Ein gutes Spiel mag immer erst einmal zu begeistern und sei es nur, weil man sich freut etwas gutes entdeckt zu haben, etwas das über den Durchschnitt hinaus geht. Das ist -ich wiederhole mich - nichts besonderes und nicht einmal auf Spiele beschränkt. Wie viele Baskettballer wurden schon als “Legitimier Nachfolger von Michael Jordan” gehandelt? Mir fallen auf anhieb 6 ein. Und wir reden hier über einen Spieler, der im Basketball etwa das ist, was Pelé oder Beckenbauer im Fußball sind: Ein Jahrhundertspieler. Wie viele Jahrhundertspieler mag es wohl geben? Einer pro Jahrhundert war bislang immer meine Schätzung, aber die Sportjournaille ist anscheinend anderer Meinung - und ebendies gilt auch für Spiele.
Es kommt aber bei Spielen noch ein Faktor hinzu: Vielspieler tendieren dazu neue Spiele nicht so oft zu spielen. Und ein Spiel, dass sich 3x gut spielt muss noch lange nicht auf lange Sicht reizen (siehe Colosseum, das auf Dauer etwas zur Eintönigkeit neigt - obwohl es schon ein gutes Spiel ist). Doch ein Jahrhundertspiel sollte auch in 10 Jahren noch spielerisch etwas bieten. Das ist unmöglich nach 2 Monaten zu beurteilen. Und das ist der Grund warum ich die Jubelstürme die Through the Ages und Agricola umgeben zwar interessiert betrachte, mich aber nicht in Panik ausbrechen lassen, dass ich vielleicht etwas lebensnotwendiges verpassen könnte (Obwohl ich wirklich gerne TtA haben würde, ist mir der Preis doch schlicht zu hoch).
Wenn Daniel R im Forum fordert alte Spiele bei Boardgamgeek runterzuwerten hat er recht - aber aus den falschen Gründen. Nicht weil die Spiele weniger interessant oder originell verringert sich die Punktzahl, sondern weil schlicht der Reiz des Neuen verfolgen ist und der Blick auf das eigentliche Spiel frei ist… (Allerdings bin ich zu faul meine Benotungen wirklich online zu verwalten)
Und auch dieses Jahr wird es ein Spiel geben -vermutlich zu Essen - dass der legitimie Nachfolger von Michael Jordan sein wird. Oder ähnlich anders…
—-
Ein paar spielerische Eindrücke von den Feiertagen:
Nach ein paar Jahren Pause hab ich wieder mal Formula DÉ gespielt (Sepang-Malaysia, ein anspruchsvollerer Kurs, der aber auch von Anfängern gemeistert werden können - auch wenn die kaum gewinnen werden). Was soll ich sagen: Ich finds immer noch toll, auch wenn Jörn in einem packenden finish die Nase vorne haben sollte. Typisch aber dass die beiden “Profis” (Jörn und ich haben eine FD-Saison gespielt) mit Abstand vorne landen sollten.
Beim Vorweihnachtsspielen waren wir überraschend viele. Also haben wir Linq ausprobiert und es gefällt. Ein schönes Kommunikationsspiel, zumal es auch tatsächlich zu zehnt gespielt werden kann (wir habens probiert). Es erinnert mich rudimentär an mein Dinner der Geheimagenten, auch wenn dort das Geheimwort geheim im Gespräch untergebracht werden soll, während bei Linq eher eine kryptische Umschreibung gefragt ist.
Die Kutschfahrt zum Teufelsberg ist zu acht allerdings nicht zu empfehlen. Die Spieldauer explodiert: Nicht nur dass die Runden länger dauern, nein es sind auch mehr Gegenstände im Spiel, dessen Aufenthaltsort gefunden werden will. Resultat: Geschlagene 2 Stunden und das ist viel mehr als die Spielidee zu tragen vermag. Ein Spieler hatte zudem das Pech dass er in der ersten Stunde kein einzigen Angriff gewinnen konnte! Resultat: Kompletter Frust und entsprechend wenig motiviertes Spiel in der zweiten Stunde. Immerhin: Vier der Acht (inklusive mir) fandens interessant genug, um es noch einmal zu sechst ausprobieren zu wollen.
ciao
peer
P.S. Wie man liest hat Hasbro Cranium übernommen. Das Imperium wächst…

Kommentare