Dez 31

Jahresabschluss mit Sylvester

Peer Sylvester,  2007      

Jetzt ist schon wieder ein Jahr rum und alle sind ganz gespannt, welche Spiele ich dieses Jahr mit meinem Alternativpreis beglücke. Hier ist die Antwort:

Den Sylvester in Gold für das beste deutsche Spiel teilen sich

Wikinger von Michael Kiesling und Jenseits von Theben von Peter Prinz.

Der Sylvester in Silber geht an Notre Dame von Stefan Feld.

Der Sylvester in Bronze geht an Gangster von Thorsten Gimmler.

Der Sylvester in Gold für das beste ausländische Spiel geht an Race for the Galaxy von Tom Lehmann.

Der Sylvester in Silber geht an If wishes were fishes von Peter Sarrett und Michael Adams.

Der Sylvester in Bronze geht an Uptown von Kory Heath

Der Sylvester-Förderpreis für das beste nicht-kommerzielle oder unveröffentlichte Spiel geht an

Duck Soup von David Parlett (Der Klick führt zur Spielebeschreibung)

Zur mündlichen Urteilsbegründung:

Die wichtigste Frage zuerst: Warum eine Teilung des Hauptpreises? Nun in meinen Augen ergänzen sich die beiden Goldgewinner hervorragend:
Wikinger ist imho das beste Mechanismusspiel dieses Jahres, Jenseits von Theben das beste Themenspiel.
Wikinger hat einen eingängigen, einfachen und eleganten Mechanismus, der (in verschiedenen Varianten) Viel- und Familienspieler gleichermaßen anspricht und für Spannung und Interaktivität sorgt. Das Thema ist dabei Beiwerk und wer erwartet hat, in das spannende Leben der Wikinger einzutauchen wird enttäuscht.


Wikinger

Wikinger

Bewertung:

Jenseits von Theben dagegen ist eine wirklich schöne Umsetzung des Themas (ebenfalls mit originellen Mechanismen). Wem das Thema jedoch egal ist, der wird über den hohen Glücksfaktor motzen.


Jenseits von Theben

Jenseits von Theben

Bewertung:

Beide Spiele machen genau das, was sie wollen und das machen sie gut. Das ist für mich das wichtigste an einem Spiel; ein Spiel, dass versucht es allen Recht zu machen, ist meistens ein “nettes” Spiel, aber kein Gutes.

Notre Dame wird den einen oder anderen regelmäßigen Leser hier überraschen, hab ich es in der Vergangenheit doch nicht gerade in den höchsten Tönen gelobt. Doch mit jeder Partie machte es mehr und mehr Spaß und mittlerweile spiele ich es sehr gerne. Es hat viele interessante Mechanismen und sehr viele Wege zum Ziel. Die Partien gleichen sich nicht und es spielt sich mit 3-5 Spielern gleich gut (Zu zweit fällt es etwas ab, ist aber durchaus spielbar). Ein schönes Spiel!


Notre Dame

Notre Dame

Bewertung:

Gangster von Thorsten Gimmler wäre das perfekte zukünftige Spiel des Jahres, wenn das Thema nicht seine makaberen Seiten hätte (Gegnerische Gangster werden im Hafen versenkt) , die einer Nominierung im Weg stehen dürften. Im Kern zwar ein abstraktes Mehrheitenspiel, bietet es aber einige nette thematische Kniffe, die einerseits für Athmosphäre sorgen, andererseits den Spielwitz erhöhen. Die Combos aus den Spezialfähigkeiten sorgen für einen hohen Wiederspielreiz und addieren einen gehörigen Schuß Taktik. Die Graphiken von Robert Nippoldt besorgen das übrige (Ich will mehr Spiele mit dessen Graphik sehen! Vielleicht auch mal andere Thematiken?)


Gangster

Gangster

Bewertung:

Race to the Galaxy hat mich vom ersten Moment an angesprochen. Und dabei bin ich gar kein so überragend großer Fan von San Juan (ich spiele es ganz gerne, halte aber die Begeisterungsstürme von damals für übertrieben). Die kleinen, aber feinen Unterschiede (gleichzeitiges Ausspiel, teilweise veschiedene Privilegien für dieselbe Rolle) sorgen zusammen mit der sehr gelungenen thematischen Einkleidung und der unglaublichen Variabilität der Karten für den Quantensprung im Spielspaß: Immer passiert etwas neues, immer sind die Entwicklungen thematisch schlüssig, immer muß man einen anderen Weg bestreiten aber nie fühlt man sich gespielt. Für mich das beste Spiel des Jahres (zumindest für die Zielgruppe Vielspieler).


Race for the Galaxy

Race for the Galaxy

Bewertung:

If wishes were fishes hab ich aber häufiger auf den Spieltisch gebracht. Der Grund: Die Einstiegshürde ist niedriger und die Spieldauer kürzer. Auch hier stimmt die thematische Einkleidung, zudem sind die Mechanismen elegant und der Kernmechanismus ist auch neu. If wishes were fishes ist ein richtig gutes Familienspiel - eine “echte” deutsche Auflage wäre ein heißer Tipp für das Spiel des Jahres - es erfüllt deren Kriterien nämlich perfekt.

Über Uptown habe ich bereits in der dazugehörigen Rezension geschrieben - es ist einfach ein schönes Legespiel und sowas mag ich. Weitere Worte erspar ich mir.

Duck Soup ist ein Stichspiel für 2 Personen, das tatsächlich funktioniert - und das sehr gut. Ich spiele selten zu zweit, aber wenn dann jetzt immer häufiger Duck Soup. Für ein Stichspiel ist es überraschend originell und dabei sehr elegant. Zudem ist es die ideale Mischung aus viel Taktik mit dem richtigen Schuß Glück.

Letzte Anmerkungen: Knapp verpasst haben den Titel Colosseum (Im Frühjahr hätte das Spiel den Preis wohl noch bekommen, in der Zwischenzeit hat die Begeisterung etwas nachgelassen, da sich die einzelnen Spielverläufe schon recht ähneln), Zooloretto (im Prinzip gleichauf mit Gangster, aber ich hatte schon eine Platzteilung. Für Gangster spricht das etwas schöner umgesetzte Thema), Glik (schönes abstraktes Zweier, aber vielleicht auf Dauer zu simpel, ich habs nicht geschafft die Mehrpersonenvariante zu testen), Qwirkle (Uptown ist eine Nasenspitze besser, auch wegen angemessenderem Grübelfaktor und Spieldauer) und R-Eco in der Neuauflage bei Z-Man-Games (eigentlich ja ein 2006er Spiel.)
Ich hab dieses Jahr fast alles Wichtige spielen können . Allerdings ist mir ausgerechnet Agricola durch die Lappen gegangen. Ich besorge es mir im nächsten Jahr - Tut mir Leid, Uwe! Aber der Deutsche Spielepreis ist dir ja schon sicher ;-)

Guten Rutsch!
Peer