Aug 04

Ja, die nächsten zwei Wochen bin ich zu viel unterwegs, um zu posten. Zumal ich an den fraglichen Montagen im Flieger sitze. Der nächste Eintrag also in drei Wochen (es sei denn Jürgen vertritt mich)

Doch ihr sollt ja nicht untätig sein, sondern euch Gedanken machen: Es geht um die Frage aller Fragen: Welche Spiele sollen rezensiert werden?

Dem regelmäßigen Leser ist sicherlich aufgefallen, dass ich hier zwar relativ oft Ersteindrücke von Spielen poste, echte Rezis aber recht spärlich sind. Das hat zwei Gründe: Zum einen kostet das Verfassen einer Rezension viel Zeit, zum anderen benötigt man relativ viele Spiele, um was fundiertes zu Papier zu bringen. Und ich spiele einfach nicht so oft dasselbe Spiel mehrfach. Eine Besprechung pro Monat ist mein (Minimal-)Ziel und mir ist bewusst, dass ich mich so von den anderen Spieleseiten absetze, bei denen „Viel hilft viel“ das Credo zu sein scheint. Im Kampf um Rezensionsexemplare zählt vor allem Masse, könnte man meinen und wen stört es da schon, wenn gelegentlich nach nur einer Partie rezensiert wird?

Das Spiele mehrfach und möglichst in verschiedenen Gruppen gespielt werden sollten ist ein Rezensentenallgemeinplatz. Auch gilt der Satz, den Jörg Nürnberger immer in seinen Spielanleitungen stehen hatte: „Nach der ersten Partie, sollte man noch einmal die Anleitung lesen; Es ist sehr wahrscheinlich, dass etwas falsch gespielt wurde.“ So manches Urteil lässt sich auf schlechte Regelinterpretation schieben und das ist kritisch, denn man merkt den Fehler i.A. nicht, vor allem wenn das Spiel ansonsten einigermaßen funktioniert (Jüngste Beispiele aus meinem Spielekreis betreffen Wikinger, bei dem nach jedem Ziehen ein neues Plättchen aufgedeckt wurde –was den Glücksfaktor natürlich potenzierte – und Guatamala Cafe bei dem nach einer Blockade nicht mehr gekauft wurde, was die Blockade noch härter machte) Der Himmel allein weiß, was ich schon alles falsch gespielt habe… (Übrigens auch ein großes Problem von Redakteuren – ich schätze ganz wild, dass min. 10% der Spiele aufgrund von Regelfehldeutungen abgelehnt werden. Schließlich sind Spielregeln von Protos nicht selten sehr interpretationswürdig geschrieben).

Soweit nix neues. Interessant ist der Aufbau der Rezension und da gibt es zwei gegensätzliche Schulen: Struktur auf der einen, freie Form auf der anderen Seite. Doch ich muss weiter ausholen:
Eine Rezension soll informieren und unterhalten. Informieren soll sie den Leser über das Spiel und dessen Stärken und Schwächen. Die Information sollte ausreichend sein, damit sich der Leser ein Bild von dem besprochenen Spiel machen kann und als Entscheidungshilfe dienen, ob sich der Leser das Spiel kaufen oder zumindest näher ansehen sollte, oder ob er sich sein sauer verdientes Geld lieber spart. Um dies zu erreichen muss das Spiel mit seinen Fehlern und Stärken natürlich gut beschrieben sein – die Regel nachzuplappern ist aber i.A. nicht nötig. Wenn ich wissen will, ob ein Film gut ist, hilft das Drehbuch auch nicht unbedingt weiter. Zu viele Informationen verwirren zum einen nur, zum anderen nützt es nichts, wenn diese nicht gewichtet und kommentier werden. Wer kennt das nicht: Man liest eine Regel und denkt: „Das Spiel ist bestimmt klasse/totaler Mist“, nur um dann bei der Probepartie festzustellen, dass das genaue Gegenteil zutrifft.
Ich muss wissen wie sich ein Spiel spielt, nicht wie die Regeln sind. Ich muss nicht wissen, was genau das Privileg des Bürgermeisters bei Puerto Rico ist, nur dass es eines gibt und dass die Rollenwahl eines der entscheidenden Punkte des Spieles ist: Welche Rolle nehme ich, welche können die Mitspieler haben?
Die meisten Rezensionen im Internet bieten eher zu viel als zu wenige Informationen (Ausnahmen gibt es natürlich immer).
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Rezensionen müssen auch gelesen werden und da gibt es einige Schreiber, die machen es ihrem Leser so schwer wie möglich: Grottenlangweilige Aufzählungen von Mechanismen und ein Fazit wie „Gefällt irgendwem und irgendwem nicht.“ Journalistik bedeutet eben auch Unterhaltung und ein richtig guter Rezensent vermag auch richtig gut zu unterhalten. Manchmal geht das auf Kosten der Information (Michael Knopf z.B. war deswegen. so umstritten) und das ist nicht immer gut. Ich erinnere mich an eine Ausgabe der –ansonsten hervorragenden – Pöppel Revue in dem drei witzige Rezensionen drin waren (Machu Picchu, Chinatown und noch eines, dass ich vergessen habe), deren Informationsgehalt aber gegen Null ging. Eine ist OK, drei waren definitiv zu viel!
Eine optimale Rezension ist also sowohl unterhaltsam als auch informativ, wobei das Fehlen ersteres i.A. schlimmer ist als letzteres.
Im Internet werden Rezis allerdings oftmals nur überflogen, daher scheint mir dass dort der Schwerpunkt auf der Informationsseite liegt.
Zurück zu den zwei Schulen: Bei der Struktur ist der Aufbau fest vorgeschrieben: Im ersten Teil kommt das Material, im Mittelbau der Spielablauf und am Ende steht ein Fazit. Im Internet ist das die präferierte Methode, denn sie erlaubt dem Spieler gezielt die Infos rauszupicken, die ihn interessieren. Allerdings bietet sie dem Schreiber wenig Möglichkeiten wirklich unterhaltsam zu schreiben oder auch nur ein paar allgemeine Informationen (z.B. zum herausbringenden Verlag) in die Rezension mit einfließen zu lassen. Diese Rezensionen stehen klar im Zeichen der Information.
Die freie Form findet man überwiegend (oder eigentlich nur, auch wenn einige Rezensenten die feste Form im Kopf zu haben scheinen und immer nach Schema F vorgehen) in Zeitschriften. Das ist verständlich, denn mehrere Rezis im gleichen Stil hintereinander zu lesen bedarf schon einer gewissen Toleranz gegen Langeweile. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Rezensent kann so unterhaltend und informativ schreiben, wie er eben kann. Der Nachteil auch: Der Rezensent kann nur so informativ schreiben, wie er eben kann.
Wer welche Form lieber liest ist natürlich Geschmackssache. Schreiben tue ich offensichtlich lieber in der offenen Fassung (obwohl ich mit der festen Form begonnen habe, wie man im Spielarchiv der Spielbox-Seite sieht).

Was ich nicht weiss: Welche Spiele sollen rezensiert werden? Eher unbekannte (und eventuell schwer zu bekommende) oder bekannte? Ich hab einen Faible für das Besondere und lese daher lieber über unbekannte Spiele. Die Clickzahlen deuten aber eindeutig in die andere Richtung. Vermutlich weil das Gros der Leser über Luding nach Rezensionen für ein potentiell interessantes Spiel sucht.
Doch was will der Spielbar-Leser? Das müsst ihr mir schon mitteilen!

Um die kleine Pause zu überbrücken zwei Rätsel:
1.) Abszess beginnt mit A und b. Gibt es ein Wort dass mit ABC beginnt? Was ist die längste Kette von Buchstaben die am Anfang des Wortes in alphabetischer Reihenfolge stehen? (Das Wort muss nicht mit A beginnen und der Einsatz eines Wörterbuches ist verboten). Mir fällt kein Wort ein, bei dem mehr als 3 Buchstaben richtig stehen, aber ich bin nicht gut in so was.
2.) Zwei hervorragende Spieler spielen Tic-Tac-Toe. Am Ende einigen sie sich auf unentschieden. Das Brett sieht wie folgt aus:
Obere Reihe: X O O
Mittlere Reihe: Leer, Leer, X
Untere Reihe: Leer, X, O
Was war der erste, was der letzte Zug?

Viel Spaß und mögen die Pöppel mit euch sein!

Peer

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3 Kommentare zu “Letztes Posting vor dem Sommerloch”

  1. Andreas Last schreibt:

    Moin Peer,
    zu den Rätsel:
    Wort mit ABC: abchecken, wobei das ziemlich böses Neudeutsch ist ;-)
    Ansonsten komm ich auch nicht über 3 zusammenhängende Buchstaben hinaus.

    TicTacToe Zugreihenfolge: O rechts oben, X mitte unten, O rechts unten, X rechts mitte, O mitte oben, X links oben

    Was Rezensionen angeht, würde ich gern über etwas Fantasylastiges lesen ;-)

  2. Peer Sylvester schreibt:

    Hmm, Tja. Leider spielt meine Berliner Runde keine Fantasyspiele. Meine Hamburger Runde zwar shcon, aber ich bin doch eher selten in Hamburg, so dass es schwer wird ein Spiel ausreichend oft zu spielen… Naja, wenn ich mir den irgendwann Descent zulege…

  3. Peer Sylvester schreibt:

    Tatsächlich sind abchecken, abcashen, defekt, Hijacker, Stuhl und Tuvalu die einzigen alphabetischen Buchstabenfolgen mit der ein Wort beginnen kann – hab ich gerade gelesen in einem interessanten Buch über deutsche Sprachkuriositäten: Der Coup. die Kuh, das Q.
    Es gibt zwei Viererfolgen, die aber in der Mitte des Woretes

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