Mrz 25

Die Spielbar ist sicherlich nicht gerade für bahnbrechende Nachrichtenberichterstattung bekannt, aber dank einiger Kontakte nach Japan kann ich eine Ankündigung machen, die meines Wissens im deutsprachigen Web bislang noch nicht gemacht wurde: Japan Brand wird in Zukunft in Deutschland durch Heidelberger vertrieben. Dadurch wird es in Zukunft vermutlich einfacher sein an R-Eco, Gra Gra Company und Traders of Carthage heranzukommen. Das sind gute Neuigkeiten, denn alle drei Spiele bereichern den Markt ungemein. Persönlich mag ich “Traders of Carthage” am liebsten, doch ich vermute, dass R-Eco die besten Chancen haben dürfte, ein echter Geheimtipp zu werden. Einen derart runden und originellen Absacker findet man jedenfalls nicht alle Tage.
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Es war einmal eine Zeit, in der “Herr der Ringe” – Verfilmung noch mit einem Zeichentrickfilm assoziiert wurde. In dieser Zeit bedeutete “Merchandising – Spiel” entweder “Lieblose Mechanismussammlung” oder “Rommé-Variante”. Beispiele für letzteres waren z.B. das Simpson Kartenspiel oder Willy Wacker, aber auch das spätere Monopoly – das Kartenspiel. Rommé bot eine einfache Umsetzung, die Möglichkeit das “Thema” auf den Karten als Graphiken unterzubringen und diverse Abwandlungsmöglichkeiten.
Ende 2006 begann ein neuer Trend, der einige Parallelen mit dem damligen aufweist: Würfelspiele. Würfel lassen sich ebenfalls mit passenden Symbolen bedrucken. Eine abstrakte Spielidee kann so leicht in eine Umsetzung verwandelt werden. Regeltechnisch ist niemand überfordert. Und: Autoren entdecken das Würfelspiel nach langer Abstinenz wieder für sich. Wenn etwas so lange weg war, reizt das die Autoren und so wundert es nicht, wenn ein Verlagsmitarbeiter mir gegenüber äusserte, sie hätten 2-3 Würfelspiele in der Pipeline und noch weitere 3 als Prototypen liegen. Alhambra- Das Würfelspiel und Monopoly Express machten den Anfang und werden dieses Jahr mindestens von Siedler – Das Würfelspiel, Inuyasha – Das Würfelspiel und nichtlustig-Das Würfelspiel ergänzt.
Was ich etwas schade finde ist allerdings dass es bei den Würfeln allesamt um das Würfeln von Kombinationen geht. Bei allen Spielen wird zudem mehrfach gewürfelt und es werden Würfel herausgelegt. Insofern beschränkt man sich tatsächlich auf Rommé-Varianten, wenn diese Metapher gestattet ist. Wo ist da das Innovative? Natürlich sind Würfel etwas eingeschränkter nutzbar als Karten (es gibt nur ein Charakteristikum, zudem entfallen die persönlichen Hände), aber dennoch ist da mehr Variablität denkbar:
Warum immer 6-Seiter? Button Men von Cheapass experimentierte bereits erfolgreich mit gemixten Würfeln (Von vierseitigen bis zum 20seiter) und das Ergebnis bringt eine neue Überlegung ins Spiel.
Warum immer “eigene Kombinationen”? Gambler/Engel & Bengel z.B. machte die Würfe gewissermassen Allgemeingut – ein Mechanismus der sicherlich nicht ausgereizt ist.
Warum immer rauslegen? Den Glücksfaktor kann man auch auf andere Arten minimieren. Einer meiner Prototypen verwendet das Übertragen von Würfeln: Eine Arte behält man selbst, zwei Arten gehen an die Mitspieler.
Ich glaube auch dass die Symbolik auf den Würfelseiten noch viele Möglichkeiten offen lässt. Dice Run z.B. spielt mit Zahlen und Farben. Wenn man sowieso irgendwelche Bedeutungen auf die Würfelseiten klebt, kann man die Anzahl der Charakteristiken erhöhen.
Und wenn Würfel mit Karten oder einem kleinen Spielbrett oder Plättchen kombiniert werden, ist noch ne Menge mehr möglich. Ganz zu schweigen vom Verknüpfen mit anderen Genres – Geschicklichkeit, Geschwindigkeit, Trivia, Handel…Warum nicht? Warum nicht sogar ein “Stichwürfelspiel”?
Zock oder nicht – in Punkto Würfelspiele stehen wir immer noch am Anfang. Ich finde es jedenfalls schade, dass ein gutes Kneipenwürfelspielbuch vermutlich mehr wirklich unterschiedliche Würfelspiele enthält als die aktuellen Verlagsankündigungen…
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Da mein Blogeintrag über das Spiele erfinden sehr positiv aufgenommen wurde, sei noch auf www.irongames.de hingewiesen. Auf seiner Seite schreibt Bernd Eisenstein über den Weg vom Prototypen zur Veröffentlichung von Maja (Abacus) und gibt Einblicke über seine momentanen Projekte. Im Blogg schreibt er über seine Spieleabende und vor allem über die Testspielrunden. Interessierte finden hier einen interessanten Einblick in das Werken eines Spieleautoren. Und das schreibe ich nicht nur, weil ich Bestandteil dieser Spielerunden bin :-)

ciao
peer

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – Autor von Beiträgen auf www.spielbar.com.






2 Kommentare zu “Die Würfel sind gestiegen (im Kurs)”

  1. Bernd Eisenstein schreibt:

    Hey Peer!

    Danke für die Werbung zu meiner Seite, aber mit deinen fundierten Abhandlungen können meine trivialen Texte nicht mithalten :-)

    Viele Grüße
    Bernd

  2. Andreas Last schreibt:

    Moin Peer,
    es ist doch immer so, dass Totgesagte länger leben und alles in regelmäßigen Abständen ein Revival erfährt :-) Denk mal an die Mode der 70er. Ich verstehs nicht, aber immer wieder mal wird diese Zeit modisch aufgegriffen.

    Warum sollte das bei Spielen anders sein? Wobei ich den Würfel nicht mit der Moder der 70er vergleichen will.

    Andreas

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